Bosch: Mit neuen Batterien E-Mobility voranbringen

Mit leistungsstärkeren Batterien möchte Bosch die E-Mobility voranbringen (Foto: H.C. Neidlein)
Mit leistungsstärkeren Batterien möchte Bosch die E-Mobility voranbringen (Foto: H.C. Neidlein)
13.10.2015

„Mit der neuen Batterie mit Festkörperzelle können wir die Reichweite von Elektroautos von derzeit 150 Kilometer auf 300 Kilometer verdoppeln“, unterstrich Joachim Fetzer, Vorstand des Geschäftsbereichs Gasoline Systems bei Bosch gestern Nachmittag bei der Eröffnung der Fachmesse World of Energy Solutions in Stuttgart. Anfang September kaufte Bosch das kalifornische Startup-Unternehmen Seeo auf, das diese Technologie entwickelt hat. Die Energiedichte der Lithium-Polymer-Akkus liegt bei 350 Wattstunden pro Kilogramm. Dies ist etwa doppelt so viel wie bei Batterien in heutigen Elektroautos. Gleichzeitig könne der Brandschutz erhöht werden, weil sich Festkörperbatterien nicht so leicht entzünden können, unterstrich Fetzer. Das flüssige Elektrolysesystem von Li-Ion Batterien werde hierbei mit Festkörperelektrolyten sowie einem Seperator ersetzt, so Fetzer. Ein weiterer Vorteil sei das geringere Gewicht der Akkus.

Serienfertigung ab 2020

Aufgrund nötiger weiterer Entwicklungsarbeiten sei allerdings erst mit einer Serienfertigung ab 2020 zu rechnen, so Fetzer. Entwicklungsbedarf bestehe beim Zellaufbau sowie der Entwicklung von Anoden aus metallischem Lithium. Dagegen seien die Festkathoden schon weitgehend serienreif. Er kündigte eine verstärkte Zusammenarbeit von Bosch mit europäischen Zulieferern wie der Manz AG aus Reutlingen an, um die neue Technologie marktreif zu machen. „Wir brauchen eine verstärkte Kooperation der gesamten Industrie, um Deutschland als Standort für die Batterieproduktion zu sichern“, unterstrich Fetzer. Denn werden Batterien fast ausschließlich in Asien und den USA produziert, in Deutschland gibt es derzeit keinen größeren Zellhersteller mehr.

Kosten auf unter 100 Euro/KWh senken

Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer vermelden zwar steigende Absätze für die Batterieproduktion, doch fast ausschließlich ins außereuropäische Ausland. „Wenn wir keine heimischen Kunden und keine Referenzprojekte in Deutschland und Europa mehr haben, ist mittelfristig auch unser Auslandsgeschäft gefährdet“, warnte der Vorstandsvorsitzende der Manz AG Dieter Manz. Entsprechend sei eine aktive Industriepolitik gefordert. „Doch wir müssen dazu unsere eigenen Hausaufgaben erledigen, Innovationen voranbringen und die Kosten weiter senken“, betonte Fetzer. Ziel müsse es sein, die Kosten der Batterien auf deutlich unter 100 Euro/kWh zu senken, „alles andere ist nicht mehr weltmarktfähig“.

Ladestationen mit 200 kW

Nötig sei auch der verstärkte Aufbau einer Ladeinfrastruktur nach dem Vorbild von Holland, wobei sich Fetzer für leistungsstärkere Schnellladestationen mit 200 kW aussprach, derzeit üblich sind 3,3 kW, Tesla betreibt Ladestationen mit 100 kW. Zu einer konkreten Kooperation mit deutschen Autoherstellern bei der Weiterentwicklung und dem Einsatz der Festkörper-Batterien wollte sich Fetzer allerdings nicht äußern. „Wir sind im Gespräch“, sagte er. Ab einem Absatz von 50.000 bis 100.000 Batterien pro Jahr würde sich der Aufbau einer Produktion in Deutschland lohnen.

Dass Deutschland strategisch attraktiv als Batterieabsatzmarkt für Elektroautos ist, zeigt das Engagement chinesischer Hersteller. So kündigte die staatliche China Aviation Lithium Batteries in Stuttgart an, Anfang Januar in Kirchheim/Teck ein neues Logistik- und Servicezentrum zu eröffnen.

Hans-Christoph Neidlein