Elektromobilität fördert Klimaschutz

Strom laden und Klima schützen. Der Einfluss des Transportsektors auf die Reduktion des CO2-Ausstoßes ist laut einer aktuellen Studie größer als angenommen. (Foto: dpa)
Strom laden und Klima schützen. Der Einfluss des Transportsektors auf die Reduktion des CO2-Ausstoßes ist laut einer aktuellen Studie größer als angenommen. (Foto: dpa)
23.11.2015

Ein Umstieg auf E-Mobilität im großen Stil und die Förderung des öffentlichen und des nicht-motorisierten Personennahverkehrs in Städten könnten die CO2-Emissionen des Transportsektors bis 2050 halbiert werden. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift Science erschienen ist.

Der Transportsektor derzeit für 23 % der globalen energiebedingten CO2-Emissionen verantwortlich. Wenn andere Sektoren an der Energieeffizienz und dem CO2-Ausstoß arbeiten, wird sich der Anteil an den Gesamtemissionen langfristig noch erhöhen. Nach Hochrechnungen des Weltklimarates IPCC werden sich die Emissionen bis zum Jahr 2050 sogar verdoppeln, was vor allem an der schnellen Motorisierung verschiedener asiatischer Staaten liegt. Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen ist es daher nur logisch auch im Verkehrssektor die Emissionen zu verringern.

Transportsektor wichtiger als bisher angenommen

Die Wissenschaftler um Felix Creutzig vom Berliner Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) und Patrick Jochem vom Karlsruher Institut für Technologie zeigen in ihrer Studie, dass das Potenzial zur CO2-Reduzierung im Transportsektor wesentlich größer ist als in bisherigen globalen Emissionsszenarien angenommen. Im Gegensatz zu bisherigen Klimaforschungsmodellen haben die Forscher in ihrer Studie „Transport: A roadblock to climate change mitigation?” keinen Vergleich zwischen dem Transportsektor und anderen Bereichen gezogen, sondern sich auf Themen innerhalb dieses Sektors fokussiert, beispielsweise auf den Personenverkehr an Land.  Sie gingen bei ihrer Untersuchung von Szenarien des Weltklimarates (Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC) sowie des „Integrated Model to Assess the Greenhouse Effect“ (IMAGE) aus.

Elektroautos intelligent einbinden

„Elektromobilität im großen Stil könnte entscheidend dafür sein, dass die CO2-Emissionen im Transportsektor bis 2050 halbiert werden“, so Felix Creutzig. Wie der Leitautor der Studie erklärt, werden die Effizienzsteigerungen der herkömmlichen Automobilflotte ab 2025 schwieriger, weshalb dann nur noch ein Brennstoffwechsel zur der Dekarbonisierung des Transportwesens beitragen könne. Dazu zählen nicht nur E-Autos, sondern auch Carsharing, elektrische Fahrräder und der Schienenverkehr.

„Die Elektrifizierung der Pkws könnte gleichzeitig einen Beitrag zur Energiewende leisten, wenn die Elektrofahrzeuge entsprechend ‚intelligent‘ in das Energiesystem integriert würden“, erklärt Patrick Jochem vom Institut für Industriebetriebslehre und Industrielle Produktion (IIP) des KIT, Mitglied der World Conference of Transport Research Society (WCTRS). „Dabei könnte ein Verschieben der Ladeprozesse in windstarke Stunden zu einer Entlastung des Energiesystems führen und somit Synergien zwischen beiden Sektoren schaffen.“

Preiswerte Batterien als Wettbewerbsvorteil

Im Durchschnitt ist der Preis für eine Speicherkapazität von einer Kilowattstunde Batteriestrom von 2007 bis 2014, ausgehend von 1000 US-$, um mehr als die Hälfte gesunken. Ebenso ist die Prognose für das Jahr 2030 gesunken: von 325 US-$ auf weniger als 200 US-$/kWh. Deshalb hätten Elektrofahrzeuge einen unvorhergesehenen Vorteil gegenüber Biotreibstoffen oder Motoren, die mit Wasserstoff laufen.

Was die städtische Infrastrukturpolitik angeht, weisen die Autoren darauf hin, dass Investitionen in neue Gleise oder Fahrradschnellwege sich gleich doppelt rentieren können: Durch niedrigere Treibhausgasemissionen und die Einsparung von zusätzlichen Straßen oder Parkplätzen, wenn die Bürger von Autos auf Räder oder Straßenbahnen umsteigen. Die Forscher hoffen, dass Anreize wie höhere Parkgebühren in Kombination mit einem besser ausgebauten Nahverkehr dazu führen, dass nicht nur kurz- sondern auch langfristig der Anteil der Menschen steigt, die eher auf öffentliche Verkehrsmittel als auf das eigene Auto setzen.

Tanja Peschel