Der Markt für Elektroautos wächst – vor allem in China

Es werden immer mehr! Die Elektroauto-Neuzulassungen pro Jahr. (Grafik ZSW)
Es werden immer mehr! Die Elektroauto-Neuzulassungen pro Jahr. (Grafik ZSW)
29.02.2016

Im Jahr 2015 ist die Zahl der neuzugelassenen Elektrofahrzeuge um fast 70 % auf 550.000 PKW gestiegen. Mittlerweile gibt es nun etwa 1,3 Millionen Elektroautos weltweit. Während die Nachfrage in Deutschland weiter eher mau ist, stieg sie vor allem in China stark an. Das ergab eine neue Analyse** des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW).

Im Jahr 2014 wurden 330.000 Elektroautos verkauft, im letzten Jahr stieg der weltweite Verkauf dann um ganze 68 % an – 550.000 Neuzulassungen gab es 2015. Wer nun aber meint, dass Deutschland dabei als Vorreiter in Sachen Autos und Umweltfreundlichkeit ganz vorne mit dabei sei, der irrt sich.

Hierzulande wurden insgesamt nur knapp 23.500 Elektrofahrzeuge verkauft. Der Gesamtbestand liegt damit bei 55.250. In Frankreich gibt es bereits 76.000 und in Japan sogar fast 130.000 Elektroautos. Nur Großbritannien liegt beim Bestand in der ZSW-Auswertung noch hinter Deutschland. Dort sind ganze 20 E-Autos weniger unterwegs als in Deutschland. Mit mehr als 28.000 Neuzulassungen liegt Großbritannien in diesem Bereich aber dann doch wieder vor Deutschland und das mit einem deutlichen Abstand.

„Die Zahl von 550.000 produzierten Elektrofahrzeugen im letzten Jahr zeigt deutlich, dass die Industrialisierung in Schwung gekommen ist“, so Prof. Werner Tillmetz, ZSW-Vorstandsmitglied und Leiter des Geschäftsbereichs Elektrochemische Energietechnologien.

USA liegen vorne, China holt auf

Die meisten Elektroautos gibt es, wie bereits seit einigen Jahren, in den USA. Fast 410.000 elektrisch betriebene Autos fahren durch die Vereinigten Staaten. Den größten Anstieg bei den Neuzulassungen verzeichnete die Volksrepublik China, wo der Bestand um mehr als 200.000 Neufahrzeuge angestiegen ist, von gut 99.000 im Jahr 2015 auf aktuell mehr als 306.000.

Berechnet man den Anteil der Elektrofahrzeuge am gesamten Fahrzeugbestand, sieht man, dass in Norwegen bereits 3 % der rund 2,6 Millionen Autos mit Strom betrieben werden. Jede fünfte Neuzulassung war hier 2015 ein Elektrofahrzeug. Im Vergleich dazu wirkt der Anteil der Elektrofahrzeuge am Fahrzeugbestand in Deutschland sehr mager: 0,12 %.

Dank Modellvielfalt: Autos aus der Heimat werden immer beliebter

Auch die Verteilung der Fahrzeugmodelle haben die Forscher analysiert. Immerhin die deutschen Hersteller scheinen beim Thema E-Mobilität nicht abgeschlagen zu sein. Im Jahr 2015 gehörte mit dem BMW i3 zum ersten Mal auch ein deutsches Modell zu den meistverkauften E-Autos weltweit. Mit insgesamt 36.550 zugelassenen i3 kommt BMW zwar bei Weitem noch nicht an das beliebteste Modell, den Nissan Leaf mit einem Bestand von gut 193.000, heran, aber es ist ein Anfang. Einen Sprung bei den Neuzulassungen hat auch Teslas Model S gemacht, dessen Gesamtbestand von 54.000 im Jahr 2014 auf fast 97.000 Fahrzeuge im Jahr angestiegen ist.

Wie zuvor bereits in anderen Ländern wie China, Japan oder Frankreich, zeichnet sich nun auch in Deutschland ein Trend zu Fahrzeugen aus heimischer Produktion ab. Von den 23.500 im letzten Jahr in Deutschland verkauften Elektrofahrzeugen stammt laut ZSW gut die Hälfte von deutschen Herstellern.

„Unsere Berechnungen ergeben, dass lediglich 1,7 % des 2015 in Deutschland erzeugten Ökostroms ausreichen würden, um eine Million Elektrofahrzeuge zu betreiben. Und jeder kann bereits heute in Deutschland Ökostrom beziehen, auch für sein Elektroauto, und damit eine Energiewende im Verkehrssektor herbeiführen“, erklärt ZSW-Wissenschaftler Andreas Püttner.

**= Bei der Studie haben die Wissenschaftler es ZSW die folgenden Fahrzeuge als Elektrofahrzeuge gewertet: Autos mit batterieelektrischem Antrieb, Range Extender und Plug-In Hybride. Nicht mitgezählt wurden Krafträder, Lkw und Busse sowie Full- und Mild-Hybridfahrzeuge. Die Auswertung basiert unter anderem auf Daten des Kraftfahrt-Bundesamts sowie internationaler Behörden und Verbände.

Tanja Peschel