Elektroautos speichern überschüssige Windenergie und sparen CO2

30.04.2020

Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet, der Elektroautohersteller Nissan und das Technologieunternehmen The Mobility House haben ein bedeutendes Vehicle-to-Grid (V2G) Pilotprojekt zur Einsparung erneuerbarer Energien in Deutschland beendet.

Im ­Rahmen eines vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Sinteg-Schaufensterprojekts wurde das Potenzial von Elektrofahrzeug-Batterien untersucht, lokal produzierten Strom zu speichern und wieder einzuspeisen, um das Stromnetz zu stabilisieren und gleichzeitig die Nutzung erneuerbarer Energien zu steigern und CO2 einzusparen.

Das Projekt bietet einen bedeutenden Lösungsansatz für eine immer häufiger auftretende zentrale Herausforderung im Energiemarkt: Wegen der dezentralen Einspeisung erneuerbarer Energien (46 % im Jahr 2019) kommt es zu Transportengpässen im Stromnetz.

Um diesen vorzubeugen, muss Tennet überschüssige erneuerbare Energie im Norden Deutschlands abregeln und zeitgleich im Süden die konventionelle Stromerzeugung hochfahren – eine teure Angelegenheit vor allem zu Spitzenlasten.

Damit dies verhindert werden kann, wurde der im Norden Deutschlands zur Verfügung stehende Windstrom von Elektroautos in der Region genutzt. Gleichzeitig wurde im Süden Strom aus vollgeladenen Batterien von Nissan-Leaf-Fahrzeugen in das Stromnetz zurückgespeist, anstatt die fossile Erzeugung zu erhöhen. Die Mobilitäts- und Ladeanforderungen der Fahrzeugnutzer wurden dabei berücksichtigt. Somit konnte die Nutzung erneuerbarer Energien gesteigert und eine Abregelung der Windenergie im Norden mit hohen Kosten- oder wertvollen Energieverlusten vermieden werden. Dies wurde durch eine Software von The Mobility House, das intelligente Lade- und Energiemanagement ChargePilot gesteuert, das sich nach Vorgaben von Tennet richtet.

Diese technologische Ausstattung kann dazu beitragen, die CO2-Bilanz des Energiesektors deutlich zu verbessern. In den Jahren 2017 und 2018 mussten jeweils über 5 TWh an überschüssigem Windstrom abgeregelt werden. Jede Kilowattstunde Strom aus nicht abgeregelter Windenergie verhindert den Ausstoß von 737 g CO2 aus fossilen Energieträgern wie Kohle. Elek­troautos als Zwischenspeicher hätten somit 2017 und 2018 dazu beitragen können, bis zu 8 Mio. t CO2 einzu­sparen.

Damit die kleinteiligen und dezentralen Kapazitäten von Stromfahrzeugen von den Netzbetreibern effizient in die Netzbewirtschaftung mit aufgenommen werden können, ist ein intelligentes Lade- und Energiemanagementsystem wie ChargePilot von The Mobility House notwendig. Die Ladesteuerung der Redispatch-Maßnahmen erfolgte lokal und in Echtzeit – durch die Anbindung an die Technologieplattform von The Mobility House und eine Plattform von Tennet, die kleinteilige Flexibilität regelt.

Aktuell arbeitet Tennet an einer europäischen Plattform mit weiteren Übertragungsnetzbetreibern. Diese ermöglicht es, kleinteilige, dezentrale Flexibilitäten wie Elektroautos im großen Stil in das Energiesystem zu integrieren. Parallel dazu stattet The Mobility House in Kooperation mit vielen führenden Automobilherstellern Unternehmensflotten mit seinem Lade- und Energiemanagement ChargePilot aus. Sobald es regulatorisch möglich ist, profitieren diese von den Erlösen und können so ihre Flotten noch günstiger betreiben.