Europa verbinden: 50Hertz und Energinet weihen weltweit ersten hybriden Interkonnektor ein

09.12.2020

50Hertz und der dänische Netzbetreiber Energinet haben am 20. Oktober gemeinsam den weltweit ersten hybriden Offshore-Interkonnektor eingeweiht, in den sowohl deutsche wie dänische Offshore-Windparks integriert sind.

Die Combined Grid Solution (CGS) verbindet zwei Umspannplattformen in der Ostsee sowohl miteinander als auch mit den bestehenden Landverbindungen der Offshore-Windparks. Dadurch kann die CGS Offshore-Windstrom nach Dänemark oder nach Deutschland leiten und zusätzlich für den grenzüberschreitenden Stromhandel genutzt werden.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der dänische Minister für Klima, Energie und Versorgung, Dan Jørgensen, sowie die EU-Kommissarin für Energie, Kadri Simson, lobten bei der offiziellen Einweihungsfeier, die vor Ort in Berlin und gleichzeitig digital stattfand, das innovative Projekt von 50Hertz und Energinet. Altmaier nannte die Combined Grid Solution »ein europäisches Leuchtturmprojekt für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bereich Windenergie auf See.«

Die CGS ist eine technische Innovation, die Vorbildcharakter für zukünftige Stromnetze im Offshore-Bereich hat. Die von 50Hertz betriebenen Netzanbindungen der Windparks Baltic 1 und Baltic 2 (Deutschland) sowie die Netzanbindung (Energinet/Dänemark) zu dem derzeit in Bau befindlichen Windpark Kriegers Flak werden mitgenutzt. Zwei lediglich 25 km lange Seekabel mit einer Leistung von je rd. 200 MW zwischen den Umspannplattformen Baltic 2 und Kriegers Flak verknüpfen die beiden Netzanbindungssysteme.

Deutsch-dänisches-Gemeinschaftsprojekt mit EU-Beteiligung

So entsteht diese erste Stromverbindung zwischen zwei Ländern, die sowohl Offshore-Windstrom an Land transportiert als auch Kapazitäten für den Stromhandel bereitstellt. Die Kosten für das deutsch-dänische Gemeinschaftsprojekt mit EU-Beteiligung belaufen sich auf rd. 300 Mio. o.

Stefan Kapferer, Vorsitzender der Geschäftsführung von 50Hertz: »50Hertz und Energinet leisten mit diesem Projekt Pionierarbeit bei der effizienten Einbindung von Offshore-Windparks in den grenzüberschreitenden europäischen Strommarkt. Er gibt uns gleich mehrere Optionen an die Hand, Frequenz und Spannung in unseren Übertragungsnetzen jederzeit zu halten, noch flexibler mit der Integration von erneuerbaren Energien umzugehen und die Stabilität des Gesamtsystems zu erhöhen. Die CGS ist daher ein wichtiger Baustein in unserer Strategie, die Stromnachfrage in unserem Netzgebiet bis 2032, über das Jahr gerechnet, zu 100 % aus erneuerbaren Energien decken zu können. Und das Projekt zeigt die hohe energiewirtschaftliche Bedeutung des europäischen Ostseeraums, dessen Bedeutung auch in der Ende September von den Anrainerstaaten unterzeichneten Baltic Sea Offshore Wind Declaration zum Ausdruck kommt.«

Weil die Übertragungsnetze Ost-Dänemarks und Deutschlands nicht synchron arbeiten, war für diesen Interkonnektor die Errichtung eines Doppel-Konverters (Back-to-Back-Converter) am Umspannwerk Bentwisch bei Rostock erforderlich. Darin wird der ankommende Wechselstrom in Gleichstrom und sofort wieder in Wechselstrom gewandelt. Nur so kann er problemlos von Dänemark nach Deutschland und umgekehrt von Deutschland nach Dänemark fließen.

Auch auf dänischer Seite hat das Projekt eine zentrale Bedeutung für die angestrebte Klimaneutralität des Landes. Der eingebundene Windpark Kriegers Flak wird nach seiner geplanten Inbetriebnahme 2021 rd. 600 000 Haushalte in der Region Seeland mit Strom versorgen. Er hat eine Leistung von 600 MW und wird damit der größte Windpark Dänemarks sein. In Kombination mit der CGS und ihrer Bedeutung für den Stromhandel mit Kontinentaleuropa entstehen dadurch auch für Dänemark Vorteile.