Fernleitungsnetzbetreiber stellen Plan für Europäischen Wasserstoff-Backbone vor

Bis 2040 soll der Europäische Wasserstoff-Backbone eine Länge von 23000 km haben
Bis 2040 soll der Europäische Wasserstoff-Backbone eine Länge von 23000 km haben
06.10.2020

Eine Gruppe von elf Fernleitungsnetzbetreibern aus neun EU-Staaten stellte Mitte Juli ein Konzept für eine reine Wasserstofftransportinfrastruktur vor. 

Neuste Forschungsergebnisse zeigen, dass die vorhandene Gasinfrastruktur so modifiziert werden kann, dass der Transport von Wasserstoff zu vertretbaren Kosten möglich ist. Das vorgestellte Konzept wurde von Enagás, Energinet, Fluxys Belgium, Gasunie, GRTgaz, Net4Gas, OGE, Ontras, Snam, Swedegas und Teréga mit Unterstützung des Beratungdienstleisters Guidehouse erarbeitet. Geplant ist ein Netz, das ab Mitte der 2020er Jahre bis 2030 schrittweise zu einem zunächst 6.800 km langen Leitungssystem ausgebaut wird, das sog. »Hydrogen Valleys« miteinander verbindet. Bis 2040 soll das Netz eine Länge von 23.000 km haben. 75 % dieses Netzes wird aus umgewidmeten Erdgasleitungen bestehen, die durch neue Leitungsabschnitte (25 %) miteinander verbunden werden. So entstehen zwei parallele Fernleitungsnetze: ein reines Wasserstoffnetz sowie ein (Bio-)Methannetz. Das Wasserstoffnetz kann für den energieeffizienten Transport großer Mengen von Wasserstoff über weite Strecken genutzt werden und dies unter Berücksichtigung möglicher Wasserstoffimporte.

Für den Aufbau dieses Netzes werden Kosten in Höhe von rd. 27 bis 64 Mrd. € veranschlagt, was im Gesamtkontext der europäischen Energiewende ein relativ überschaubarer Betrag ist. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf 0,09 bis 0,17 € je Kilogramm Wasserstoff und 1.000 km. Dies ermöglicht einen wirtschaftlichen Transport über große Entfernungen in Europa. Die relativ große Spanne in der Schätzung ist vor allem auf Unsicherheiten bei den standortabhängigen Verdichtungskosten zurückzuführen.

Die Veröffentlichung des Europäischen Wasserstoff-Backbones erfolgt eine Woche nach Vorstellung der Europäischen Wasserstoffstrategie durch die EU-Kommission, in der die Notwendigkeit der Schaffung eines reinen Wasserstoffnetzes in der EU unterstrichen wird. »Wir freuen uns über die ehrgeizige Strategie der EU-Kommission, die bereits in diesem Jahrzehnt einen umfassenden Ausbau der Wasserstofferzeugung vorsieht. Wir glauben, dass unsere Initiative bei diesem Vorhaben eine wichtige Rolle spielen kann. Ein Europäischer Wasserstoff-Backbone bietet die Möglichkeit, die im Rahmen der Energiewende in verschiedenen Sektoren EU-weit entstehende Nachfrage für Wasserstoff zu bedienen. Das Netz ist von essenzieller Bedeutung für einen künftigen europäischen Wasserstoffmarkt. Klar ist, dass der Europäische Wasserstoff-Backbone ein echtes europäisches Vorhaben mit starken Verbindungen zu den östlichen Mitgliedstaaten sein muss«, so Daniel Muthmann (OGE).

Die elf Fernleitungsnetzbetreiber sind davon überzeugt, dass der Europäische Wasserstoff-Backbone letztendlich die gesamte EU abdecken wird. Die Gruppe lädt andere europäische Gasinfrastrukturunternehmen ein, sich an der Weiterentwicklung und Umsetzung des Europäischen Wasserstoff-Backbone zu beteiligen.