Flächenpotenziale für die Windenergie an Land aktualisiert

Ermittelte Flächenpotenziale je Bundesland 	Quelle: Fraunhofer IEE, Bosch & Partner
Ermittelte Flächenpotenziale je Bundesland Quelle: Fraunhofer IEE, Bosch & Partner
15.06.2022

Die Studie zur Ermittlung der Flächenpotenziale für die Windenergienutzung an Land aus dem Jahr 2011 wurde nun aktualisiert.

Gemeinsam zeigen darin das Fraunhofer IEE, das Umweltplanungsbüro Bosch & Partner und der Bundesverband Windenergie BWE e. V. anhand einer bundesweiten Raumbewertung auf, dass in allen 16 Bundesländern bei konsequenter Ausweisung ausreichend Flächen verfügbar sind, um das Mindestziel von 2 % der Bundesfläche für die Windenergie zu erreichen.

Unter Berücksichtigung öffentlich zugänglicher Daten hat die Neuauflage der Studie auf Basis einer bundesweiten Raumbewertung Potenzialflächen für die Windenergienutzung in den Bundesländern erarbeitet. Dazu wurden zunächst alle kategorischen Ausschlussflächen ermittelt. Die danach verbliebenen Flächen wurden in sechs verschiedene Konfliktrisikoklassen von Klasse 1 (kein Konfliktrisiko) bis Klasse 6 (faktisch nicht nutzbar) eingeteilt. »Gemäß dieser Analyse sind 26,1 % der Bundesfläche (93 268 km2) keine Ausschlussflächen«, stellt Dr. Carsten Pape, Leiter Szenarien und Systemmodellierung des Fraunhofer IEE, fest.

Die Studie, die im Auftrag des BWE erstellt wurde, kommt zu dem Ergebnis: In den Flächenländern gebe es nachweislich mehr als genug Platz. Die Flächenpotenziale für den Ausbau der Windenergie und damit ausreichende Energieproduktion seien eindeutig vorhanden. Auch in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen. Die drei Länder hingen beim Ausbau bislang deutlich hinterher. Angesichts der energieintensiven Indus­trien bestehe hier enormer Nachholbedarf.

Aber auch für die Stadtstaaten gelte: Potenziale seien vorhanden. Zusätzliche Optionen ließen sich durch die Nutzung der Windenergie in Industriegebieten heben. Das würden beispielsweise die 14 Wind­energieanlagen im Hamburger Hafen zeigen.

Auf 2 % der Fläche ließen sich 200 GW Leistung installieren, die aus heutiger Sicht 770 TWh sauberen Strom liefern können. Dafür seien 30 000 bis 35 000 Anlagen erforderlich. Wenn angesichts des Kriegs in der Ukraine und der dadurch ausgelösten Krise der fossilen Energieträger ein beschleunigter Umstieg auf erneuerbare Energien erfolgen soll, seien ggf. die Strommengenziele anzuheben. Das könne dazu führen, dass für die Wind­energie mehr als 2 % der Fläche notwendig werden.

Ausgewiesene Fläche müssten dabei in jedem Fall auch bebaubar und vollständig nutzbar sein. Gleichzeitig gelte es dafür Sorge zu tragen, dass die Flächen effektiv genutzt werden. Dafür brauche es einen modernen Anlagenpark.

Um die starken Ziele zu erreichen, brauche es die Unterstützung in den Kommunen. Der Bundesverband Wind­energie regt an, die nun vorgelegte Studie im Bund-Länder-Kooperationsausschuss zu diskutieren, damit Politik und Branche zu einem gemeinsamen, fachlich fundierten Verständnis gelangen können.