Genehmigungsstau bei Windenergieanlagen an Land

Pressegespräch von VDMA und BWE am 23. Juli 2019 in Berlin (v. l.): Dr. Knud Rehfeldt, Deutsche WindGuard, Matthias Zelinger, VDMA Power Systems, Hermann Albers, Bundesverband WindEnergie, und Christoph Zipf, Bundesverband WindEnergie
Pressegespräch von VDMA und BWE am 23. Juli 2019 in Berlin (v. l.): Dr. Knud Rehfeldt, Deutsche WindGuard, Matthias Zelinger, VDMA Power Systems, Hermann Albers, Bundesverband WindEnergie, und Christoph Zipf, Bundesverband WindEnergie
12.09.2019

Im ersten Halbjahr 2019 wurden nur 86 Windenergieanlagen (WEA) mit einer Kapazität von insgesamt 287 MW gebaut. Das waren 82 % weniger als im bereits schwachen Vorjahreszeitraum, ermittelte die Deutsche Windguard im Auftrag der Verbände Bundesverband WindEnergie (BWE) und VDMA Power Systems (VDMA). Grund für den historischen Tiefstand seien fehlende Genehmigungen und Verzögerungen durchlaufende Klageverfahren.

Unter Berücksichtigung des Rückbaus alter Anlagen ergibt sich netto ein Plus von 35 Anlagen mit einer Kapazität von 231 MW. Gebaut wurde vor allem in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern. Keine neuen Anlagen gab es hingegen in Bayern, Hessen, dem Saarland und den Stadtstaaten.

Die Zahlen für die ersten sechs Monate 2019 bleiben hinter den vorgesehenen Ausbaumengen des EEG zurück und die Prognose für das gesamte Jahr 2019 wurde nach unten auf 1 500 MW korrigiert. Das Wachstum ist auf dem niedrigsten Stand seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Jahr 2000, warnen die Verbände. Um die Klimaschutzziele bis 2030 zu erreichen, müssten nach Einschätzung des BWE jährlich 4 700 MW hinzukommen.

Hermann Albers, Präsident des BWE, sieht eine wachsende Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit: »Die Bundesregierung spricht einerseits von der Erreichung ambitionierter Ausbau- und Klimaschutzziele für die Jahre 2030 und 2050. Genehmigungsstau und Klageflut führen aber zur Unterzeichnung der aktuellen Ausschreibungen.« Derzeit steckten 11 000 MW Windprojekte im Genehmigungsverfahren fest.

Nach einer Analyse der Fachagentur Wind an Land (FA Wind) beziehen sich die Klagen überwiegend auf den Natur- und Artenschutz, militärische Belange und UKW-Drehfunkfeuer. Insgesamt seien 4 790 MW blockiert, weil ihnen der Einfluss auf Flugnavigationsanlagen entgegengehalten werde, davon allein 2 370 MW durch Prüfbereiche von 10 bis 15 km um Drehfunkfeuer. In einer Branchenumfrage ermittelte die FA Wind zudem, dass 60 % der Klagen durch Umwelt- und Naturschutzverbände vorgebracht werden.

Auch im Bestand größere Veränderungen

Nicht nur der Zubau bleibt aus, auch im Bestand zeichnen sich größere Veränderungen ab. In den nächsten Jahren endet für immer mehr Anlagen die Förderung. »Bis 2025 fallen etwa 16 000 MW Windenergieleistung aus der EEG-Fördersystematik. Das ist für die Energieversorgung eine relevante Größe. Wir brauchen Lösungen, um den Weiterbetrieb und das Repowering zu gewährleisten und die Eigenversorgung und Direktbelieferung zu verbessern«, so Albers.

Insgesamt gab es Ende Juni 2019 in Deutschland 29 248 WEA. Anzahlmäßig entspricht dies bereits dem Ziel des BWE für 2050. Allerdings soll die Leistung von 53 000 auf 200 000 MW im Jahr 2050 steigen. »Die heute neu installierten Anlagen sind mit der ersten Generation, nicht mehr vergleichbar«, erläutert Albers. »Die Nabenhöhe ist in den letzten 20 Jahren durchschnittlich von 71 auf 132 m gestiegen und der Durchmesser der Rotorblätter durchschnittlich von 58 auf 118 m. Im Durchschnitt bauen wir heute Neuanlagen mit einer Leistung von 3 233 kW. Das ist etwa das dreifache wie im Jahr 2000.« Nach Einschätzung der Hersteller sollen Windparks bis zum Jahr 2050 im Durchschnitt eine Leistung von 5 bis 6 MW erreichen. Das Repowering ist auch eine Form eine Flurbereinigung hinzu weniger und dafür größeren Windrädern. »Es geht vor allem darum, an bestehenden Standorten die Anlagen zu modernisieren. Dies kann bedeuten, dass 15 Windräder durch sechs ersetzt werden und sich Leistung und Erzeugung des Windparks dennoch deutlich erhöhen«, so Albers weiter.

Bei Erzeugungskosten von 5 bis 6 Ct/kWh gelten WEA an Land inzwischen in vielen Ländern als wettbewerbsfähig. In Europa wurden 2019 bisher 2 967 MW neu errichtet. Vorn lagen Frankreich und Griechenland. Danach folgten Deutschland, Italien und die Ukraine. Auch global wächst der Markt für WEA: Für 2019 wird weltweit ein Zubau von 59 000 MW erwartet.

Damit sich der Markt in Deutschland weiterentwickelt, fordern die beiden Verbände eine Industriepolitik, die die Windenergie als Schlüsseltechnologie stärker in den Mittelpunkt rückt. Matthias Zelinger, Geschäftsführer des VDMA betont die Dringlichkeit: »Mit Einreichung des finalen Nationalen Klima- und Energieplans (NECP) am Jahresende bei der EU-Kommission wird auch für internationale Investoren leicht sichtbar, ob Deutschland Vorreiter der Energiewende bleiben will oder ob unsere Nachbarn zu attraktiveren Standorten für Innovationen und Investitionen werden.«

Astrid Sonja Fischer

www.windguard.de | www.wind-energie.de | www.vdma.org