PV 2.0 und PV 3.0: Netzdienstleistungen und Grundlast aus dem Freiflächenkraftwerk

PV-Kraftwerke, können, wenn sie richtig ausgelegt sind, besser auf Netzanforderungen reagieren als die trägen Massen eines fossilen Kraftwerkparks	Bild: Pixabay
PV-Kraftwerke, können, wenn sie richtig ausgelegt sind, besser auf Netzanforderungen reagieren als die trägen Massen eines fossilen Kraftwerkparks Bild: Pixabay
08.07.2019

Solaranlagen werden integrationsfähiger: Nach dem Stand der Technik können PV-Anlagen Systemdienstleistungen anbieten und perspektivisch als Hybridkraftwerk auch Grundlast fahren. Zu dieser Einschätzung kommt die aktuelle Studie »Grid Intelligent Solar«. Der europäische Verband Solar Power Europe fordert daher, für die netzdienliche Einspeisung einen ökonomischen Anreiz zu setzen und Anlagen mit Grundlastfähigkeit bei der Netzplanung zu berücksichtigen.

Je größer der Anteil von Solarstrom wird, desto drängender werden die Fragen nach der Integration in die Netzinfrastruktur. Bisher wurden Systemdienstleistungen vor allem durch Gas- und Kohlekraftwerke erbracht. Technisch sind dazu inzwischen auch die Solaranlagen in der Lage. Stefan Degener, Vice President -Europe & Africa Region bei First Solar sieht die PV-Anlagen sogar als geeigneteren Lieferanten von Systemdienstleistungen: »PV-Kraftwerke, können, wenn sie richtig ausgelegt sind, besser auf Netzanforderungen reagieren als die -trägen Massen des fossilen Kraftwerkparks.« Die Reaktionszeiten innerhalb von Millisekunden würden von Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern hochgeschätzt.

Dass eine PV-Anlage systemdienlich produziert, setzt allerdings voraus, dass nicht wie bisher eine möglichst hohe Stromproduktion im Vordergrund steht. Walburga Hemetsberger, CEO Solar Power Europe erläutert: »Bisher wurde bei Großflächenanlagen vor allem der Ertrag über verschiedene Digitalinstrumente maximiert. Als sogenannte PV 2.0 geht es darum, das Systemmanagement und die Leistungs-elektronik für Netzdienstleistungen einzusetzen.«

Aus Sicht der Anlagenhersteller sind die PV-Anlagen mit netzdienlichen Einsatzmöglichkeiten verfügbar. Für eine Investitionsnachfrage im großen Stil müssten sich allerdings die Rahmenbedingen ändern. Für Deutschland würde das konkret bedeuten, dass im Ausschreibungssystem auch die Fähigkeit zur Systemintegration berücksichtigt wird. »Wenn die Ausschreibungen so gestaltet werden, dass nicht nur die allergünstigsten Anlagen zum Zug kommen, sondern auch die Netzdienstleistungen eingepreist werden, würde das dem ganzen System helfen«, so Hemetsberger.

Anlagen werden -grundlastfähig

Langfristiges Ziel der PV-Branche sind Hybridkraftwerke, sogenannte PV 3.0, die PV mit Batterien oder Power-to-X kombinieren, sodass die Anlagen grundlastfähig werden. Nach Einschätzung von Solar Power Europe sollten diese in den langfristigen Ausbauplänen für die Stromnetze berücksichtigt werden. »Bei der Netzplanung werden PV-Anlagen noch nicht ausreichend einbezogen. Das sollte sich ändern, um abzubilden, was die Anlagen in Zukunft leisten können«, so Hemetsberger.

Als PV 3.0 stoßen die Sonnenkraftwerke auf die gleichen wirtschaftlichen Hindernisse, die auch bei anderen Hybridkraftwerken bekannt sind. Bernd Engel, Vorstandsbeauftragter, SMA Solar Technology, sieht die Sektorenkopplung als zentrales Element des künftigen Stromsystems und fordert eine Anpassung des Abgabensystems: »Für eine Kopplung des Strom- und Gassektors über eine Power-to-Gas-Anlage ist es wichtig, dass beide Sektoren von Abgaben und Umlagen freigestellt werden. Gleiches gilt auch für die Kombination von einer PV-Anlage mit einem Batteriespeicher.«

Nach Darstellung der Studie können Freiflächen-Solarkraftwerke inzwischen sogar konventionelle Kraftwerke bei den Produktionskosten unterbieten. Beim weltweiten Boom hinkt Europa allerdings hinterher. Die Rahmenbedingungen in Deutschland machen eine Förderung bei kleineren Anlagen nach wie vor nötig. Jochen Hauff, Global Head of Strategy, BayWa r.e. sieht vor allem für Investoren aus dem Bereich von Bürgerenergiegenossenschaften und Industrie die Notwendigkeit von Sicherheiten: »Bürgerenergiegenossenschaften, kleinere Stadtwerke und größere Industriebetriebe als Investor brauchen auch in den nächsten Jahren noch ein System, das eine gewisse Risikoabsicherung bietet. Aber die Akteure müssen das System einmalig verlassen können, wenn die Preise besser werden.« Damit seien sie dann im Markt ohne Anspruch auf Förderung. Ein möglicher Übergang zu einer fixen Marktprämie würde das System verschlechtern.

Astrid Sonja Fischer