Weitere 348 Millionen Euro für Großverbraucher

Die Bundesregierung hat am Mittwoch den Entwurf eines neuen Förderinstruments für industrielle Strom-Großverbraucher beschlossen. In den Genuss der Förderung sollen Unternehmen kommen, die sich bereit erklären, ihre Stromabnahme auf Anforderung ihres Netzbetreibers zu reduzieren – gleichzeitig sollen die Betreiber von Übertragungsnetzen verpflichtet werden, insgesamt 3.000 MW Abschaltleistung auszuschreiben. Allein für die Bereitschaft, die Stromabnahme zu reduzieren, sollen die teilnehmenden Unternehmen monatlich eine Grundvergütung von 1.667 €/MW erhalten – unabhängig davon, ob diese Reduzierung vom Netzbetreiber abgerufen wurde oder nicht. Für die tatsächliche Reduzierung der Stromabnahme sollen die Unternehmen zusätzlich zwischen 100 und 500 € pro Megawattstunde erhalten.

Das Pikante an der Regelung: „Die Versorgungssicherheit wird gegenwärtig zu weitaus günstigeren Konditionen über den Regelenergiemarkt gewährleistet“, betont Jan Haizmann, Geschäftsführer des Verbands deutscher Gas- und Stromhändler (EFET), „es gibt keinen Grund, die energieintensive Industrie auf diese Weise zu privilegieren.“ Bisher beschafften sich die Übertragungsnetzbetreiber die angestrebte Flexibilität nämlich auf dem Regelenergiemarkt. Die durchschnittlichen Preise liegen dort deutlich unter den Vergütungssätzen der Verordnung, da auf dem Regelenergiemarkt ein bundesweiter Wettbewerb unter zahlreichen Anbietern und verschiedenen Technologien besteht.

Die Bundesregierung rechnet mit jährlichen Kompensationszahlungen an Großverbraucher in Höhe von bis zu 348 Mio. €; diese Summe werden die Übertragungsnetzbetreiber voraussichtlich über die lokalen Elektrizitätsversorger an die Endkunden weiterreichen. Die Verordnung bedarf noch der Zustimmung des Bundestages.

Volker Buddensiek