Fahren mit Solarstrom: Aller guten Dinge sind drei

Das Hauskraftwerk (Typ S10 E12 – All in one) ist eine kompakte Einheit von einem Meter im Quadrat. (Foto: Reinhard Siekemeier)
Das Hauskraftwerk (Typ S10 E12 – All in one) ist eine kompakte Einheit von einem Meter im Quadrat. (Foto: Reinhard Siekemeier)
06.09.2017

Die Kombination aus PV-Anlage, Stromspeicher und Elektroauto ist noch selten, obwohl sie effizient und sinnvoll ist. SW&W stellt Praktiker vor, die damit bereits Erfahrungen gesammelt haben. Den Auftakt machte in SW&W 7+8/2017 unser Autor Reinhard Siekemeier.

Am 6. Juli 2016 war es endlich soweit: Unsere neue PV-Anlage mit Stromspeicher ging ans Netz. Jahrelang hatte ich mich mit dem Thema beschäftigt, Artikel dazu verfasst (vgl. SW&W 03-2016 „Pack die Sonne in den Tank“), Messen besucht, Prospekte gewälzt und Beratungsgespräche geführt. Jetzt konnte ich endlich eigene Erfahrungen sammeln. Meine erste Amtshandlung nach Inbetriebnahme war eine Mail an die Stadtwerke Böblingen: „Bei uns ging heute eine 8,28 kW-PV-Anlage mit 6,9 kWh-Batteriespeicher in Betrieb. Dadurch wird unser Strombezug drastisch fallen. Wir rechnen mit einer Eigenverbrauchsquote von 80 % – auch dank unseres Elektroautos. Von daher bitten wir, den monatlichen Abschlag von aktuell 122,00 € um 100,00 € auf 22,00 € zu reduzieren.“

Abschlagswette mit den Stadtwerken

Zwei Wochen später kam die Antwort: „Die von Ihnen gewünschte Änderung des Abschlagsbetrages bestätigen wir Ihnen hiermit gerne.“ Allein mit der Einsparung von jährlich 1.200 € Stromkosten sind die Zinsen eines Fünf-Jahresdarlehens refinanziert, das wir für das netto 26.700 € schwere Projekt aufgenommen hatten.

Von da ab lautete das Motto: Den Eigenverbrauch maximieren, also Strom verbrauchen, wenn die Sonne scheint und der Akku liefern kann. Nach Ablauf des dunkleren Halbjahrs Ende März stand fest: Unsere „Abschlagswette“ war aufgegangen, die Nachzahlung lag bei 48,55 €. Von 4.485 kWh (inkl. Elektroautoladungen) Hausverbrauch kamen nur 993 kWh aus dem Netz, 3.492 kWh aus eigener Produktion. Die Autarkiequote lag bei 78 %. Und bis heute haben wir nur noch 84 weitere kWh bezogen.

Die Stadtwerke werden in Zukunft noch weniger Strom an uns verkaufen. Da sind wir schmerzlos. Auch wenn sie unser Elektroauto Renault Zoe fünf Jahre lang mit insgesamt 1.900 € fördern und wir dafür mit Stadtwerkewerbung herumfahren. Denn mit der jüngst erfolgten Aufrüstung des Batteriespeichers um ein viertes Modul steigt die Speicherkapazität auf 9,2 kWh. Damit kommen wir auch im Winter gut durch lange Nächte. Die Autarkiequote wird weiter steigen, das neue Ziel sind 85 %. Für mich steht fest: Die Dezentralisierung der Stromversorgung ist möglich – mindestens für privilegierte Eigenheimbesitzer – und eine reale Gefahr für die Erträge kleiner bis großer Energieversorger. Was deren Widerstand gegen die ganze Entwicklung erklärt.

Aleo-Module und E3/DC-Hauskraftwerk

Was ich gut finde: Die Hauptkomponenten stammen aus Deutschland. Die 36 PV-Module (S25, 230 kW) kommen von Aleo Solar aus Prenzlau, der Wechselrichter, das Energiemonitoring und der Batteriespeicher sind kompakt im „Hauskraftwerk“ von E3/DC aus Osnabrück verbaut. Nur die Ertragsoptimierer an einem der beiden Strings stammen von SolarEdge aus Israel. Das Hauskraftwerk (Typ S10 E12 – All in one) ist eine kompakte Einheit von einem Meter im Quadrat, einer Tiefe von gut 41 cm und einem Gewicht von bei uns 214 kg (Gerät 130 kg plus vier Akkumodule 84 kg). Diese große Einheit sollte eher im Keller dicht an Hausanschluss und Zählerschrank als im Wohnbereich platziert werden, auch wegen der Lüftergeräusche im Vollbetrieb.

Solar- und Mischbetrieb bei E3/DC-Wallbox

Ausschlaggebend für E3/DC war der Rat des Elektrofachbetriebs, der auf gute Erfahrungen bei über 75 Installationen des Produkts verweisen konnte und im Beratungsgespräch Beispielanlagen im Online-Portal zeigte. Pluspunkte sind die 10 Jahre Systemgarantie auf alle Bauteile inklusive Solarwechselrichter und Batterie, der kostenlose Werksservice, ein ferngewartetes Batteriesystem ohne Zyklenbegrenzung, stets neue Funktionen per automatischem Software-Update für alle Anwendungen und sämtliche Komponenten sowie die optionale Notstromfunktion. Letztere ist allerdings nur im Neubau oder im Bestand bei kompletter Neuinstallation der Hauselektrik machbar. Und schließlich: Die Osnabrücker sind für Installateure und Endkunden werktags sehr gut zu erreichen.

Besonderes Highlight für Elektroautobesitzer: Die E3/DC-Wallbox kann ein- und dreiphasig und mit bis zu 22 kW Leistung laden und ist perfekt auf das Hauskraftwerk abgestimmt. Es gibt zwei Lademodi: Solar- und Mischbetrieb (Solar und Netz). Der maximale Ladestrom kann – wie auch alle anderen Funktionen des Hauskraftwerks – im Online-Kundenportal oder der App eingestellt werden und passt sich im Solarbetrieb variabel dem zur Verfügung stehenden Solar- bzw. Eigenstromangebot an. Die Box hat zudem zwei Anschlüsse für Typ 2 und Schuko-Stecker.

Plug-and-Play-Produkt für Installateure

Wegen ihrer Kompaktheit ist das „All in one“-Hauskraftwerk im Vergleich zu anderen Lösungen einfach zu installieren. „Es ist fast ein Plug-and-Play-Produkt“, erläutert Elektomeister Rolf Gühring und verweist auf eine technische Besonderheit: „Der integrierte CAN-Bus (Controller Area Network) verbindet die Leistungserfassung am Zähler, den Wechselrichter, den Speicher und die Lade-Wallbox. Damit kann die schnelle Ausregulierung der Ladung stattfinden. Außerdem können verschiedene Schnittstellen zur Hausautomation aufgesetzt werden. Damit erschließt man sich die ganze Welt von Smart Metering und Smart Home – also Überwachung aus der Ferne, Optimierung von Stromprozessen, Steuerung von Verbrauchern. Hier wurde ein System zu Ende gedacht.“

Über eine weitere Schnittstelle können externe Stromquellen angeschlossen werden wie Blockheizkraftwerke, Dieselgeneratoren oder Solarwechselrichter anderer Hersteller. Letzteres wird bei mir Ende 2022 passieren. Dann endet die Einspeisevergütung für meine alte PV-Anlage (2 kW), die im Juli 2016 auf unser Nordnordost-Dach umgesetzt wurde und dort mit einem Jahresertrag von rund 1.300 kWh immerhin noch zwei Drittel der Süddachleistung erbringt.

Reinhard Siekemeier