Das sagt das Handwerk zum Ölkessel-Boom

Warum belebt sich das Heizungsgeschäft? Das Handwerk denkt anders als die Industrie. (Quelle: Querschiesser)
Warum belebt sich das Heizungsgeschäft? Das Handwerk denkt anders als die Industrie. (Quelle: Querschiesser)
08.10.2015

Der Zubau von Ölkesseln boomt, egal ob Brennwert oder Niedertemperatur. Über 30 % liegen sie im Plus. Da liegt es natürlich nah, dass der niedrige Ölpreis etwas damit zu tun hat. Eine aktuelle Umfrage zeigt, das Handwerk scheint da eine ganz andere Wahrnehmung zu haben.

Das auf das Handwerk spezialisierte Trendbüro Querschiesser hat 411 Handwerker gefragt, wie sie sich die Belebung bei fossilen Brennstoffkesseln erklären. Während auf dem 7. Wärmekongress in Berlin vor gut zwei Wochen von Industrie und Politik noch angenommen wurde, dass dies vor allem am günstigen Ölpreis liege, teilen nämlich nur 5 % der befragten Heizungsinstallateure.

Viele merken nichts

Überraschenderweise spürten laut Umfrage nämlich 28 % der Befragten Handwerker überhaupt keinen Anstieg in der Nachfrage. Allerdings muss das nicht im Widerspruch zu einem Absatzplus stehen. In einer früheren Umfrage zeigte sich, dass größere Handwerksbetriebe grundsätzlich besser dastehen als kleine. Daher ist es durchaus möglich ist, dass diese Antwortmöglichkeit vor allem von den kleinen Betrieben gegeben wurde, bei denen der Aufschwung (noch) nicht angekommen ist.

Am zweithäufigsten wurde zu 22 % genannt, dass der Gerätewechsel schlicht und ergreifend nicht mehr aufzuschieben gewesen sei. Unklar ist, warum das ausgerechnet in diesem Jahr eine Besonderheit so sein sollte. Andererseits deckt sich der Befund damit, dass erneuerbare Energien trotz allgemeinen Aufschwungs am Markt sogar schlechter dastehen als bisher. Schließlich ist es eine Binsenweisheit, dass defekte Heizungen in der Regel durch gleichartige Neugeräte getauscht werden. Ein Systemwechsel zu erneuerbaren Energien findet in diesem Segment also kaum statt.

Braune Blätter am Baum wichtiger als EnEV und MAP

Dass Fördermaßnahmen und Gesetze wirken, berichten dagegen nur 14 % der befragten Handwerker. Selbst der die triviale Tatsache, dass die Heizsaison beginnt, wird mit 16 % als wichtiger eingestuft.

Die Umfrage ist sicherlich nicht bis ins letzte Detail repräsentativ zu erachten. Auch ist die Meinung des Handwerks auch nur ein Puzzleteil, schließlich haben sowohl die Industrie als auch die Endkunden eventuell ganz andere Eindrücke.

Allerdings dürfte die Befragung bei über 400 befragten Handwerkern schon einen halbwegs vernünftigen Eindruck der Stimmung dieser wichtigen Gruppe abbilden. Und demnach läuft beim Thema Förderung, Verordnung und Gesetz irgendwas grundlegend falsch.

Jan Gesthuizen