Was Sie über das neue Heizungslabel wissen müssen!

So sieht das ErP-Heizungslabel aus!
25.09.2015

Seit dem 26. September gilt das neue Effizienzlabel für neue Heizungen, Warmwasserbereiter und Wärmespeicher. Seit Monaten berichten nicht nur wir, sondern die gesamte Fachpresse über dieses Thema. Die Verbände fluten den Markt ebenfalls mit Informationen, da kann man schon mal den Überblick verlieren. Daher haben wir hier noch einmal die allerwichtigsten Fakten kurz und bündig zusammengefasst.

Eine A++ Wertung ist nicht automatisch am besten

Das Label soll Transparenz schaffen und Wärmeerzeuger vergleichbar machen. Das mit der Transparenz klappt ganz gut, das mit der Vergleichbarkeit aber nicht. Zum Beispiel gibt es für Warmwasserbereiter verschiedene Zapfprofile, die man beachten muss. Diese sollen Auskunft darüber geben, ob das Gerät eher für eine Singlewohnung oder für eine vielköpfige Familie ausgelegt ist. Kauft der Single nun ein A++ gerät, das eigentlich für eine Familie gedacht ist, hat er trotz des guten Labels keine effiziente Anlage.

Ähnlich sieht es bei der Heizung oder den Wärmespeichern aus. Sie müssen sich am realen Bedarf vor Ort orientieren. Ohne fachliche Beratung drohen krasse Fehlkäufe. Selbst die effizienteste Niedertemperaturwärmepumpe mit einem A++-Rating hat im unsanierten Altbau nichts zu suchen.

Es gibt ziemlich viele verschiedene Label

Die Vergleichbarkeit der Label ist nicht nur wegen deren Vielfallt schwer. Es gibt auch noch verschiedene Label mit teils unterschiedlichen Skalen. Außerdem muss man zwischen Paket und Produktlabel unterscheiden.

Das Produktlabel für Wärmeerzeuger: 

Das einfache Produktlabel ist wohl am ehesten mit dem zu vergleichen, das wir schon vom Kühlschrank oder der Waschmaschine kennen. Auch wenn es statt Energieverbrauch die Energieerzeugung einzuordnen versucht. Ein Produktlabel bekommen zum einen Raumheizgeräte, Kombiheizgeräte, Warmwasserbereiter, die auf Öl, Gas oder Umweltwärme (Wärmepumpen) setzen.   Sie erhalten ein Effizienzlabel auf einer Skala von G (schlecht) bis A++ (sehr gut). In zwei Jahren, ab dem 26. September 2017 wird die Skale nach oben hin verschoben. Dann reicht sie von D (schlecht) bis A+++. Allgemein kann man sagen, dass nur erneuerbare Energien Ratings oberhalb von A bekommen werden.

Das Produktlabel für Wärmespeicher:

Auch Wärmespeicher werden ein Label bekommen. Aber auch hier wird es leider ein wenig kompliziert. Erstens werden Wärmespeicher auf einer anderen Skala bewertet, nämlich von G (schlecht) bis A (sehr gut). Die Skala ist also einfacher und übersichtlicher, sie kommt ohne die vielen Pluszeichen aus. Außerdem ist die Speicherskala strenger kalkuliert, als bei den Wärmeerzeugern. Die meisten Speicher werden zu Beginn wohl die Effizienzklasse C tragen. Die Branche erwartet, dass sich die Effizienzklasse B als Premiumprodukt etablieren wird. Die höchste Stufe A wird zunächst sehr selten bleiben.

Außerdem soll sich auch diese Skala ändern. Ab 2017 wird sie von F (schlecht) bis A+ (sehr gut) reichen. Ob wir jemals einen A+ Speicher zu sehen bekommen werden, ist sicherlich fraglich.

Wärmespeicher müssen nur gelabelt werden, wenn sie ein Volumen von bis zu 500 L haben, allerdings dürfen die Hersteller freiwillig auch größere Speicher bis 2.000 L etikettieren. Die Berechnungsmethode der Effizienzklasse ist allerdings in der Branche nicht unumstritten, vor allem bei Speichern über 1.000 Liter Inhalt.

Das Paketlabel für die Kombination verschiedener Produkte:

Produktlabel sind schön und gut, aber moderne Heizungsanlagen bestehen heutzutage natürlich aus mehreren Komponenten.  Auch dafür hat sich die EU eine Lösung ausgedacht: Das Verbundlabel. Es wird für vorgefertigte Pakete und Sets vergeben, die zum Beispiel aus Kessel, Solaranlage und einem Speicher besteht.

Berechnet wird das Paketlabel anhand verschiedener Kennwerte der einzelnen Komponenten. Zum Beispiel die Effizienzklasse des Wärmespeichers oder die Nennleistung des Kessels. Aber auch Produkte ohne eigenes Label gehen in die Berechnung ein. Zum Beispiel können moderne Heizungsregelungen den Effizienzwert verbessern. Positiv in die Bewertung fließt zum Beispiel ein, wenn der Regler eine Einzelraumsteuerung oder Wetterführung der Heizung zulässt.

Wie berechne ich das Verbundlabel?

Zuständig für das Paketlabel ist derjenige, der es an den Endverbraucher verkauft. Also in aller Regel der Handwerker. Dazu gibt es allerdings zahlreiche Hilfsmittel, damit sich der Aufwand in Grenzen hält. Viele Heiztechnikhersteller und auch Händler haben Tools erstellt, die ihren Handwerkspartnern die Arbeit erleichtern soll.

Außerdem hat der Spitzenverband der Gebäudetechnik (VdZ) die Plattform Heizungslabel.de gegründet. Dort trägt mehr oder weniger die gesamte deutsche Heizungsindustrie alle relevanten Kennwerte ihrer Komponenten ein.

Die Daten werden über eine Schnittstelle auch Softwareanbietern zur Verfügung gestellt, die damit in ihre Handwerkssoftware eine Funktion für das Verbundlabel einbauen können. Oft wird es direkt mit dem Angebot erstellt, das eh für den Endkunden benötigt wird.

Warum gibt es kein Label für die Solarthermie?

Das europäische Label sieht ein Etikett nur für Geräte vor, die Energie verbrauchen.   Solarthermie ist das nach dieser Definition nicht. Die Solarthermie wird aber im Verbundanlagenlabel (siehe Punkt 3) berücksichtigt. Dort sorgt sie in der Regel dafür, dass die Effizienz einer Anlage um einen Punkt steigt. Also zum Beispiel von A+ auf A++.

Auch hier ist die Berechnungsmethode nicht unumstritten. Denn während das bei Warmwasseranlagen gut klappt, soll die Berechnungsmethode den Beitrag der Solarkollektoren bei der Heizungsunterstützung nicht ausreichend berücksichtigen. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) einen Leitfaden entwickelt, der das Label aus Sicht der Solarthermie beleuchtet (Download). 

Dass Solarkollektoren kein eigenes Label haben, fanden Teile der Solarindustrie auch nicht gut. Sie haben daher ein eigenes Label entwickelt, das sich stark am offiziellen EU-Label orientiert.

Warum gibt es kein Label für die Biomasse?

Für Pelletskessel und andere Biomasseheizungen gibt es noch kein Label, da man in Brüssel dafür leider länger gebraucht hat. Ab 2017 bekommen Biomasseheizungen dann aber auch endlich ihr Effizienzlabel. Nach derzeitigem Stand werden die meisten Pelletskessel wohl ein A+ erhalten. Brennwert-Pelletskessel liegen vermutlich bei A++. Ab 2019 wird die Skala dann wie bei den anderen Heiztechnologien erweitert und wird dann bis A+++ reichen. Das Deustche Pelletsinstitut (DEPI) hat hierzu auch ein Infoblatt erstellt (Download).

Warum bekommen Wärmepumpen zwei Einstufungen?

Die Etiketten für Wärmepumpen werden in den meisten Fällen zwei Einstufungen erhalten. Der Grund dafür ist, dass die Effizienz einer Wärmepumpe besonders stark von der benötigten Vorlauftemperatur abhängt. Daher wird es ein Label für eine Vorlauftemperatur von 55 °C und eines für 35 °C geben. Vereinfacht gesagt, zeigt das Label so auf einmal die unterschiedliche Effizienz der Wärmepumpe bei Radiatoren und der Fußbodenheizung.

Auch der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) hat eine Infobroschüre zum zum neuen ErP-Label erstellt (Download).

Jan Gesthuizen