Solarwärme wächst nur noch langsam

Die neun größten Solarwärmemärkte nach China: In der Türkei und Indien ist der Solarwärmemarkt 2015 stark gewachsen. In vielen anderen wichtigen Märkten geht es mit der neu installierten Solarthermieleistung aber nach unten. (Quelle: IEA SHC Solar Heat Worldwide, Grafik: SW&W)
Die neun größten Solarwärmemärkte nach China: In der Türkei und Indien ist der Solarwärmemarkt 2015 stark gewachsen. In vielen anderen wichtigen Märkten geht es mit der neu installierten Solarthermieleistung aber nach unten. (Quelle: IEA SHC Solar Heat Worldwide,Grafik: SW&W)
06.07.2017

Solarwärmeanlagen haben im Jahr 2016 weltweit den CO2-Ausstoß um 120 Mio. Tonnen reduziert. Insgesamt waren Anlagen mit einer thermischen Leistung von 456 GW installiert und sie haben im Jahr 2016 375 TWh Wärmeenergie bereitgestellt. Wie in den vergangenen Jahren auch, hat das Solar Heating and Cooling Programm der internationalen Energieagentur (IEA SHC) Ende Juni die Studie Solar Heat Worldwide veröffentlicht, in die Daten aus 66 Ländern weltweit eingeflossen sind.

Über viele Jahre hinweg war Solarwärme die erneuerbare Energie mit der größeren installierten Leistung, weit vor Windenergie und Photovoltaik. Im Jahr 2016 hat die Windenergie die Solarwärme mit inzwischen 487 GWel installierter Leistung jedoch überholt. Solarwärme liegt aber immer noch vor der PV (303 GWel) und Solarthermischen Kraftwerken (5 GWel). Die Solarwärme konnte 2016 aber nur um 5 % zulegen, während PV um 33 % und die Windenergie um 12 % wuchs. Warum fällt die Solarwärme zurück? Die Autoren der Studie sehen den Grund darin, dass PV-Heizsysteme und Wärmepumpe der Solarwärme in ihrem Kernmarkt der häuslichen Warmwasserbereitung immer mehr Konkurrenz machen.

Solarheizwerke machen Hoffnung

Es gibt aber auch Hoffnung für die Branche. Im Jahr 2016 haben große Solarheizwerke, die in Fernwärmenetze einspeisen, genauso an Bedeutung gewonnen wie Solaranlagen, die Prozesswärme für Industrie und Gewerbe produzieren. „Mehrere ambitionierte Projekte wurden erfolgreich umgesetzt”, sagt Ken Guthrie, Chairman des IEA Solar Heating and Cooling Programmes. Darunter befindet sich auch die nun weltgrößte Solaranlage im dänischen Silkeborg. Das Solarheizwerk speist mit 110 MWth in das städtische Fernwärmenetz ein. Insgesamt hat die Studie 300 Solarheizwerke in Europa identifiziert, die insgesamt eine Leistung von 1,15 GWth erbringen. Für die Zukunft sieht die IEA SHC hier noch großes Potenzial. Das gleiche gilt für die solare Prozesswärme. Das weltweit größte Prozesswärme-Solarheizwerk steht seit 2013 in Chile. Es stellt Wärme mit einer Leistung von 27,5 MWth für die Produktion einer Kupfermine bereit. Insgesamt waren 2016 weltweit Solaranlagen mit 0,29 GWth in Betrieb, die solare Prozesswärme liefern (siehe auch SW&W 1+2/2017, S. 84).

Die detaillierten Daten, wie groß die Zuwächse an Solarwärmeanlagen in den einzelnen Ländern waren, führt die Studie für das Jahr 2015 auf. Nach wie wurden die meisten Solarwärmeanlagen in China installiert (30,4 GWth). Doch das bedeutete einen Rückgang von 17 %. Dennoch trägt China mit mehr als 70 % zur weltweiten Solarwärmeleistung bei. Unter den 10 größten Solarwärmemärkten weltweit hat es kaum Verschiebungen gegeben. Nur Polen konnte Italien aus den Top10 verdrängen (siehe Abb.). Das liegt allerdings nicht daran, dass der Markt in Polen stark gewachsen wäre. Der italienische Markt ist auf niedrigem Niveau weiter geschrumpft (-14 %). Das ist auch für Spanien zu beobachten (-6 %). Traurig aber wahr: In Großbritannien und Frankreich fand Solarthermie im Jahr 2015 praktisch gar nicht mehr statt.

Die vollständige Studie kann unter www.iea-shc.org/data/sites/1/publications/Solar-Heat-Worldwide-2017.pdf heruntergeladen werden.

Jens-Peter Meyer