F-Gase-Verordnung erfordert neue Kältemittel

Die Roth Werke setzen in der Luftwärmepumpe ThermoAura das umweltfreundliche Kältemittel R290 ein. (Grafik: Roth Werke)
Die Roth Werke setzen in der Luftwärmepumpe ThermoAura das umweltfreundliche Kältemittel R290 ein. (Grafik: Roth Werke)
31.10.2016

Die F-Gase-Verordnung der Europäischen Union (EU 517/2014), die seit Anfang 2015 gilt, wird in den kommenden Jahren starken Auswirkungen auf den Wärmepumpenmarkt haben, wie Tomas Prigge -Leiter Abteilung Technik bei der Fujitsu General GmbH - auf dem VDI Wissensforum „Effiziente Wärmepumpen“ erläuterte.

Mit der F-Gase-Verordnung will die EU den Einsatz von fluorierten Kohlenwasserstoffen in Kältekreisläufen bis zum Jahr 2030 deutlich ändern. Das Ziel: Der Beitrag dieser Kältemittel zur Klimaerwärmung soll sich drastisch reduzieren. Dafür hat die EU das CO2-Äquivalent aller fluorierten Kältemittel ermittelt, die im Jahr 2015 auf den Markt kamen. Im Jahr 2030 darf die Gesamtmenge aller auf den Markt gebrachten fluorierten Kältemittel nur noch ein Fünftel dieses CO2-Äquivalents aufweisen. Um die Verordnung einzuhalten, wird die Industrie auf Kältemittel mit sehr viel geringeren CO2-Äquivalenten zurückgreifen als heute. In Wärmepumpen kommt meist das Kältemittel R410a zum Einsatz, das einen GWP-Wert von 2088 hat (GWP steht für global warming potential). Das bedeutet, dass ein Kilogramm vom R410a so viel zum Treibhauseffekt beiträgt, wie 2,1 Tonnen CO2. Tomas Prigge geht davon aus, dass R410a in den kommenden Jahren vollständig vom R32 (GWP-Wert von 675) verdrängt wird. R32 ist aber anders als R410a leicht entflammbar. Was das für Auswirkungen auf die Anforderungen an Aufstellorten von Wärmepumpen hat, ist zurzeit noch offen. Ein weiteres Problem: Weniger als 12 % der Kälteanlagenbauer in der EU können laut Prigge zurzeit mit brennbaren Kältemitteln umgehen. Dass die Probleme lösbar sind, zeigen aber Wärmepumpen, die schon heute mit R290 betrieben werden (siehe www.energie-datenbank.eu). Dieses Kältemittel ist brennbar und hat einen GWP-Wert von nur 3.

Auch auf die Betreiber von Wärmepumpenanlagen kommen Änderungen zu. Sie müssen regelmäßig die Dichtheit ihrer Anlagen überprüfen. Das gilt heute schon für Wärmepumpen, die mit mehr als 3 kg R410a gefüllt sind. Ist der Kältekreis hermetisch dicht, also vollständig verlötet oder verschweißt, greift die Verpflichtung zu Dichtheitskontrollen erst ab ungefähr 5 kg R410a. Das sind Mengen, die durchaus auch in Wärmepumpen für das Einfamilienhaus vorkommen.

Jens-Peter Meyer