Schule in Geislingen wird zu Plusenergie-Gymnasium

Das Sondenfeld unter dem Schulhof besteht aus der 35 Erdwärmesonden Raugeo PE-Xa green der Firma Rehau. (Foto: Rehau)
Das Sondenfeld unter dem Schulhof besteht aus der 35 Erdwärmesonden Raugeo PE-Xa green der Firma Rehau. (Foto: Rehau)
25.11.2016

Es ist möglich eine Schule so zu sanieren, dass das Gebäude zu einem Plusenergiehaus wird. Das zeigt das Beispiel des Michelberg-Gymnasiums in Geislingen. Zum Einsatz kommen Sonnenkollektoren, PV-Module und eine Erdwärmepumpe. Das Sondenfeld liegt direkt unter dem Schulhof.

Das Michelberg-Gymnasium im baden-württembergischen Geislingen wurde im vergangenen Jahr für 15,9 Mio. € umfangreich saniert und umgebaut. Die energetische Sanierung war dringend notwendig, da die Schule nur sehr gering gedämmt war, was einerseits hohe Energiekosten verursachte und andererseits auch zu einem unangenehmen Raumklima führte. Zudem wurde die Schule ursprünglich mit einer Klimaanlage konzipiert, die aber schon nach kurzer Zeit wegen der hohen Energiekosten außer Betrieb gesetzt wurde. Ziel der Sanierung ist deshalb, all diese Missstände zu beheben und das Gymnasium nach neuestem Stand der Technik zu einer Plusenergieschule bei gleichzeitig steigendem Nutzerkomfort aufzurüsten. 

Wärmeenergie wird in der Tiefe gespeichert

Für die Versorgung mit Wärmeenergie setzt das Gymnasium auf die Kraft der Sonne. Hierfür wurde über den eingeschossigen Gebäudeteil, in dem sich die Schulräume für die Naturwissenschaften und die Bildende Kunst befinden, ein neues Dach errichtet. Die untere Dachhälfte besteht dabei aus Sonnenkollektoren, in denen große Mengen Wärmenergie erzeugt werden. Diese Energie wird entweder direkt zur Warmwasserbereitung genutzt oder über einen Wärmetauscher in einen eigens gebauten Tiefenspeicher eingebracht.

Der Tiefenspeicher wurde genau unter dem Schulhof errichtet. Durchgeführte Probebohrungen zeigten, dass die dort vorhandene Eisensandstein-Formation mit ihren wärmespeichernden Eigenschaften sehr günstig ist. Insgesamt wurden für den Speicher 35 Erdwärmesonden Raugeo PE-Xa green der Firma Rehau verbaut, die jeweils 63 m tief in den Erdboden ragen. Die eingesetzten Sonden verfügen über eine raue Außenschicht, die den Verbund mit dem Verfüllmaterial verbessert. Die Planung und Bauausführung des Sondenfeldes hat die Firma Geowell aus Marl realisiert.

Im Winter entnimmt eine Erdwärmepumpe die im Sommer gespeicherte Wärme und stellt so die Beheizung des Gebäudes sicher. Die von den Sonnenkollektoren erzeugte und im Tiefenspeicher gespeicherte Energie soll laut Berechnungen genügen, um neben dem Michelberg-Gymnasium auch die Schubart-Realschule sowie einen Teil der Michelberghalle mit Wärmeenergie versorgen zu können. 

Viel Glas und intelligente Belüftung

Aber die Sonne dient nicht nur zur Wärme- sondern auch zur Stromversorgung. Hierfür wurde vor die vorhandene Fassade eine neue Glasfassade mit Lucido-Holzabsorberbohlen gebaut. Zwischen Bestandsfassade und neuer Fassade sorgen thermoaktivierte Luftpolster für eine gegenüber herkömmlichen Wärmedämmungen deutlich bessere Dämmwirkung. Vor diese Elemente werden auf der Sonnenseite des Gebäudes Photovoltaik-Module in das Glas eingebettet, die zur elektrischen Energiegewinnung dienen. Zwischen den beiden Fassaden wird außerdem ein natürliches Belüftungssystem installiert, das keine Energie verbraucht und für einen schnellen CO2-Austausch in den Räumen sorgt. Darüber hinaus werden die Klassenzimmer über Flächenheiz-und Kühlsysteme mit Hilfe des Tiefenspeichers gekühlt. Somit wird verhindert, dass sich die Räume zu sehr aufheizen.

Jens-Peter Meyer / Rehau