VDI baut Wärmepumpenregelwerk aus

Die höhere Kunst der Wärmepumpeninstallation beinhaltet auch einen hydraulischen Abgleich des Heizsystems. (Foto: Sonnenkraft)
Die höhere Kunst der Wärmepumpeninstallation beinhaltet auch einen hydraulischen Abgleich des Heizsystems. (Foto: Sonnenkraft)
31.10.2016

Die VDI-Richtlinienausschüssen haben zwei bestehenden VDI Richtlinien für Wärmepumpen überabeitet und eine neue auf den Weg gebracht. Diese wurden auf dem VDI Wissensforum „Effiziente Wärmepumpen“ vorgestellt und diskutiert.

Planung und Dimensionierung: Gründruck liegt vor

Ganz neu ist die VDI Richtlinie 4645. Sie gibt vor, wie Wärmepumpenanlagen ausgelegt und installiert werden müssen. Die Richtlinie umfasst dabei alle Komponenten von der Quelle über den Speicher bis zum Heizkreis. Warum eine solche Richtlinie wichtig ist, brachte Peter Göricke, Vorsitzender des IZW e.V. auf den Punkt: Die Installation einer Wärmepumpenanlage sei schließlich eine höhere Kunst. Die Richtlinie gilt für Ein- und Mehrfamilienhäuser und ist sowohl für Neubauten als auch für den Bestand anwendbar. Seit Oktober liegt der Entwurf der Richtlinie, der so genannte Gründruck, vor. In den kommenden Monaten kann die Branche nun noch Änderungen bewirken. Dazu dient das öffentliche Einspruchsverfahren, das jetzt 6 Monate lang in Anspruch genommen werden kann.

Berechnung der Jahresarbeitszahl genauer

Die VDI Richtlinie 4650 Blatt 1 beschäftigt sich mit der Berechnung der Jahresarbeitszahl von Elektrowärmepumpen zur Raumheizung und Trinkwassererwärmung. Die Experten haben nun die Fassung von 2009 überarbeitet. Der Gründruck soll in Kürze erscheinen. Die Bilanzgrenze der Richtlinie umfasst die Wärmepumpe, die Quelle und einen Heizstab, wenn er als zweiter Wärmeerzeuger enthalten ist. Bei der Überarbeitung haben die Experten die Rechenergebnisse mit Messergebnissen abgeglichen, die zum Beispiel das Forschungsinstitut Fraunhofer ISE durchgeführt hat. Neu ist vor allem, dass leistungsgeregelte Wärmepumpen abgebildet werden, was bisher nicht der Fall war.

Auslegung von Quellsystemen: Faustformel überholt

Auch die VDI Richtlinie 4640 Blatt 2, die sich mit der Auslegung von Quellsystemen von Erdwärmepumpen befasst, liegt in einer Neufassung als Gründruck vor. Eine wichtige Änderung betrifft Erdwärmesonden. Bisher galt die Faustformel für die spezifische Entzugsleistung von 50 W pro Meter Sondenlänge bei normalem Untergrund. Künftig gelten differenzierte Tabellenwerte. Roland Koenigsdorff von der Hochschule Biberach hat dargelegt, dass die neue Auslegung häufig längere Sonden erfordert als bisher. Die Erdwärmepumpen-Anlagen werden also teurer werden. Hier versuchen die Forscher gegenzusteuern, in dem sie die Simulationstools verbessern. Koenigsdorff geht davon aus, dass eine genauere Abbildung der Realität die Sondenlängen wieder reduzieren kann.

Auch die Auslegungstabellen für Erdkollektoren sind in der neuen Fassung der VDI 4640 Blatt 2 sehr viel differenzierter als in der alten Fassung. Sie berücksichtigt jetzt 15 Klimazonen und 4 verschiedene Bodenarten. Neben der Entzugsleistung ist nun auch die Entzugsarbeit enthalten. Beide Werte müssen eingehalten werden.

Neu in der Richtlinie haben die Experten Besonderheiten von Anlagen mit Direktverdampfung aufgegriffen. Außerdem sind nun auch Gründungspfähle, Tunnelbauwerke, Erdwärmekörbe und Speichersonden in der Richtlinie erfasst.

Jens-Peter Meyer