Wärmepumpen in Europa: Zu wenig Neubauten

21.11.2013

Den einheitlichen Wärmepumpenmarkt Europa gibt es nicht. Das ist wohl das wichtigste Ergebnis des Wärmepumpenbarometers des Eurobserv’er. In 12 von 23 beobachteten europäischen Märkten hat sich der Absatz von Wärmepumpen im letzten Jahr erhöht, in den verbleibenden 11 dagegen verringert.

Insgesamt überwog der Abwärtstrend, so verringerte sich der Absatz 2012 gegenüber dem Vorjahr insgesamt um 7,9 % auf 1,65 Millionen Wärmepumpen. Dabei zeichnet sich grundsätzlich ab, dass sich die dominante Position der Luftwärmepumpen gegenüber erdgebunden weiter steigt. Innerhalb des Luft-Segmentes verschiebt sich das Gewicht immer stärker zu Luft/Wasser-Wärmepumpen und weg von Luft-/Luft-Wärmepumpen.

Im Wesentlichen, so berichtet Eurobserv’er, verlieren die Erdwärmepumpen vor allem aufgrund der aufwendigeren und damit auch kostspieligeren Installation. Dieser Effekt überwiegt bei den Kunden, obwohl erdgebunden Wärmepumpen in der Regel effizienter sind.

Neubausektor auf Allzeittief

Der Rückgang auf dem gesamteuropäischen Markt hängt auch mit der schlechten wirtschaftlichen Lage in Europa zusammen. Diese ist die Hauptursache dafür, dass der Neubausektor derzeit in vielen europäischen Ländern auf einem absoluten Tiefpunkt angekommen ist. Gerade in diesem Bereich sind Wärmepumpen aber üblicherweise besonders stark. Auch für 2013 ist hier mit einem Rückgang zu rechnen.Die erdgebunden Varianten sind hier zudem stärker betroffen, da sie sich wegen der notwendigen Bohrarbeiten häufig schlechter für die Nachrüstung in Bestandsgebäuden eignen.

Grundsätzlich ist die Nachfrage nach Wärmepumpen aber auf einem hohen Niveau und steigt seit der Jahrtausendwende kräftig an. Seit dem gab es immer wieder kräftige Ausschläge beim Absatz, sowohl nach oben als auch nach unten.

Brauchwasserwärmepumpen im Aufwind

Das einzige Marksegment, das gesamteuropäisch derzeit kräftig zulegt, sind Brauchwasserwärmepumpen, also solche, die nicht mit der Heizung verbunden sind. Hier wurden 61.400 Stück abgesetzt, nach knapp unter 50.000 im Jahr zuvor. Triebkraft für dieses Segment war vor allem Frankreich, das für den Großteil dieses Zuwachses verantwortlich ist. Der Grund dafür liegt in einer neuen Wärmeverordnung Namens RT2012, die es erlaubt mithilfe von Brauchwasserwärmepumpen gewisse Dämmstandards in Gebäuden zu erreichen.

Die Unterschiede in der Marktentwicklung und Marktreife sind ohnehin enorm. Zum Beispiel wuchs der Markt in Deutschland von 47.700 Anlagen im Jahr 2011 auf 54.100 im Jahr 2012. In Frankreich dagegen, wo Wärmepumpen einen schon heute einen deutlich größeren Stellenwert haben, brach der Absatz dagegen von 162.565 auf 142.380 Wärmepumpen ein. Den außer im bereit erwähnten Brauchwassersegment sinkt der Absatz in Frankreich erheblich. Wie in vielen anderen Ländern auch, wird derzeit kaum gebaut. Der Anstieg der Nachfrage in Deutschland wurde mit dem französischen Rückgang locker wieder geschluckt.

Eine Sonderstellung nimmt Italien ein. Hier wurden 2012 mit 1.071.600 Wärmepumpen mit Abstand die meisten installiert. Allerdings dient der Großteil hiervon in erster Linie Kühlzwecken und nicht dazu Gebäude zu heizen oder Brauchwasser bereitzustellen.

Auf und ab in Skandinavien

Mit einer negativen Entwicklung von -10,9 % ging der Absatz in Europas drittgrößten Markt, Schweden, ebenfalls bergab. Auch hier sieht der Eurobserv’er die Ursache in erster Linie bei der schwächelnden Baubranche. Schweden ist in insofern ein besonderer Markt, da hier schon über 50 % der Gebäude mit Wärmepumpen beheizt werden. Das heißt, die Wachstumsaussichten sind nicht unbedingt so hoch, wie in weniger entwickelten Ländern, anderseits bietet Schweden ein Blick in die Zukunft anderer nordeuropäischer Länder.


Das größte Wachstum kommt ebenfalls aus Nordeuropa. In Dänemark wuchs der Absatz von Wärmepumpen um imposante 23,3 %. Im Wesentlichen im Segment der Luft-/Luft-Wärmepumpen. Da dänische Energieversorger dazu verpflichtet sind, Energieeinsparungen vorzunehmen. Die Versorger geben diese Aufgabe auch an Eigenheimbesitzer weiter und vergüten ihnen dann die jeweilige Einsparung. Zudem hat Dänemark den Einbau von Öl- und Gasheizungen im Neubau ab 2013 untersagt. Später soll dieses Verbot auch auf Bestandsgebäude übertragen werden.Den gesamten Bericht kann man sich hier herunterladen.

Jan Gesthuizen