Interview mit dem KNE: Für eine umweltverträgliche Energiewende

Dr. Torsten Raynal-Ehrke, Direktor des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende (Foto: KNE)
Dr. Torsten Raynal-Ehrke, Direktor des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende (Foto: KNE)
17.11.2017

SONNE WIND & WÄME sprach mit Dr. Torsten Raynal-Ehrke, Direktor des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende, über die Herausforderungen und Konfliktberatung beim Ausbau der Erneuerbaren Energien.

Weitere Informationen: naturschutz-energiewende.de
Das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) wurde 2016 in Berlin ins Leben gerufen. Zweck der gemeinnützigen GmbH ist die „Unterstützung einer naturverträglichen Energiewende“. Das KNE stellt Fachinformationen zur Verfügung, bietet Konfliktberatung an und lädt zu Fachdialogen ein. Es ist im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit tätig. Gesellschafterin ist die Michael Otto Stiftung für Umweltschutz.

SW&W: Herr Raynal-Ehrke: Findet die Energiewende, wie sie aktuell läuft, nicht naturverträglich statt?

Torsten Raynal-Ehrke: Der Ausbau der erneuerbaren Energien zieht stets Veränderungen in Natur und Landschaft nach sich. Das kann dazu führen, dass konkrete Projekte vor Ort umstritten sind, manchmal auch heftig. Das muss aber nicht sein. Als unabhängige und neutrale Einrichtung helfen wir, Konflikten tatkräftig vorzubeugen oder sie zielstrebig zu klären.

SW&W: Was haben Sie seit der Gründung 2016 erreicht?

Raynal-Ehrke: Das KNE hat zunächst seine Arbeitsfähigkeit hergestellt, sich mit Akteursgruppen der Energiewende vernetzt und konkrete Unterstützungsangebote entwickelt. Akteure sind beispielsweise Naturschutzorganisationen, Energieversorger, Projektierer und Regierungspräsidien. Wir beantworten Anfragen aller Art und gehen auch konkreten Hinweisen nach.

SW&W: Das KNE bezeichnet sich auch als „Dialogzentrum“. Wie sieht das konkret aus?

Raynal-Ehrke:  Wir bieten Formate wie Seminare, Workshops und Fachdialoge an, in denen die Akteure der Energiewende miteinander in das Gespräch kommen und, wenn es ihnen aussichtsreich erscheint, auch in gemeinsame Arbeitsprozesse eintreten können. Das Ganze findet im „geschützten Raum“ unter der Moderation des KNE statt.

SW&W: Bitte schildern Sie Beispiele.

Raynal-Ehrke: In einem Fachdialog kommen zwischen acht und 20 Personen mehrmals im Jahr zusammen und tauschen sich aus. Derzeit geht es zum Beispiel um die Qualitätssicherung von Fledermausgutachten. Wir führen aber auch öffentliche Veranstaltungen durch. So haben wir in Potsdam im Oktober zu einer halbtägigen Vortragsveranstaltung zu den Themen „Fledermaus- und Greifvogelschutz an Windenergieanlagen“ sowie „Horstschutzfristen und Schutz vor Horstzerstörungen“ eingeladen. Wir bieten aber auch Weiterbildungsseminare vor Ort zur Konfliktlösung an.

SW&W: Sie vermitteln Sie auch Mediatoren. Was bieten diese, und wenden sich auch Bürgerinitiativen, die einen Windpark verhindern wollen, an Sie?

Raynal-Ehrke:  Unsere KNE-Kollegen stehen für die Klärung von Konflikten vor Ort zur Verfügung. Wir haben aber auch eine Fortbildung für professionelle Mediatoren entwickelt, speziell für Naturschutzkonflikte. Die Absolventen vermitteln wir dann, wenn eine längere Begleitung erforderlich ist. Wer ein Vorhaben dezidiert nur verhindern will, ist bei uns nicht richtig.

SW&W: Wo liegen die häufigsten Konfliktpunkte?

Raynal-Ehrke:  Konflikte mit dem Naturschutz entstehen häufig aufgrund mangelnder oder falscher Informationen, umstrittener Gutachten, fehlender Kommunikation oder unzureichender Beteiligung.

SW&W: Nehmen wir einen neuen Windenergiepark in einem Waldgebiet als Beispiel. Wie lassen sich hier frühzeitig Konflikte vermeiden?

Raynal-Ehrke:  Waldprojekte sind oft umstritten, denn der Wald nimmt im Naturschutz – zu Recht – einen hohen Stellenwert ein. Der Naturschutz ist deshalb auch kein „Spielverderber“, wenn er seine gesetzlichen Rechte einfordert. Deshalb: Frühzeitig auf den Naturschutz zugehen, ihn einbinden und auf der Grundlage fundierter Gutachten nach gemeinsam akzeptierten Lösungen suchen.

SW&W: Und wie lassen sich die Probleme lösen?

Raynal-Ehrke:  Mit Beharrlichkeit. Voraussetzung ist: Dem jeweils anderen gut zuhören und ihm auf Augenhöhe begegnen! Kommunikation kann nicht gelingen, wenn man grundsätzlich davon ausgeht, dass der andere nur zu dumm oder zu egoistisch ist, um die eigenen „unwiderlegbaren“ Argumente zu verstehen.

SW&W: Und wieviel kosten Ihre Leistungen?

Raynal-Ehrke:  Unsere Angebote können kostenlos genutzt bzw. gebucht werden. Der Einsatz von Mitgliedern unseres Mediatoren-Pools muss von den Konfliktparteien vor Ort selbst finanziert werden.

Das Interview führte Ina Röpcke.
Das Interview ist in SW&W 11/2017 erschienen.