Ambitioniertes Projekt

Das bei der Vormontage entstandene Bild zeigt die Dimensionen der 12 m hohen und 256 t schweren Rotorgondel.
Foto: Windpark Druiberg
Das bei der Vormontage entstandene Bild zeigt die Dimensionen der 12 m hohen und 256 t schweren Rotorgondel. Foto: Windpark Druiberg

Am 3. November nahm der sachsen-anhaltinische Wirtschaftsminister Rainer Haseloff die 29. Windkraftanlage des nahe der Stadt Dardesheim gelegenen Windpark Druiberg in Betrieb. Bei der installierten Anlage handelt es sich um eine E-112, die der Hersteller Enercon in seinem Magdeburger Werk produzierte. Der Rotor, dessen Durchmesser von 112 m auf 114 m vergrößert wurde, und der getriebelose Generator sind auf einem 123 m hohen Betonmast montiert. Mit 6 MW ist sie die leistungsstärkste Serienwindkraftanlage. Das Ereignis stellt einen vorläufigen Höhepunkt in der Geschichte des Windparks Druiberg dar: Mit nun 62 MW installierter Gesamtleitung können die Gebrüder Bartelt, die das Windparkprojekt geplant und realisiert haben, positive Bilanz ziehen.

Begonnen hat die Geschichte des Windparks mit der Initiative eines ortsansässigen Rentners namens Karl Radach. Da sich dieser frühzeitig der Windgunst am Druiberg bewusst war, stellte er bereits im Jahr 1991 den Antrag auf Genehmigung einer Windkraftanlage auf eigenem Flur. Im Januar 1994 schließlich ging seine Pionieranlage als erste im gesamten Landkreis und als zweite im gesamten Bundesland in Betrieb. Es handelte sich um eine zweiflüglige Lagerwey LW 18/80 mit einer Leistung von 80 kW. Die nächsten Anlagen sollten nicht lange auf sich warten lassen. Im folgenden Jahr wurden drei weitere Zweiflügler Typ Lagerwey 50/250 mit je 250 kW installierter Leistung in Betrieb genommen. Deren Betreiber war die Windstrom Prignitz GmbH & Co. KG, geführt von Heinrich Bartelt.

Da der Druiberg, dessen Flur sich zwischen der Stadt Dardesheim und den Gemeinden Badersleben und Rohrsheim aufteilt, einer der windreichsten Standorte in der Region ist, blieb es nicht bei vier Windrädern. Die Planung und der Aufbau des heutigen Windpark Druiberg dauerte allerdings noch einige Jahre. Schließlich mussten zahlreiche Planungs- und Genehmigungsschritte durchlaufen werden. Im März 2000 wurde die Windpark Druiberg GmbH & Co. KG (WDG) als Betreiberin des gleichnamigen, geplanten Parks von den Gesellschaftern Heinrich und Josef Bartelt gegründet. Da die Parzellierung der Landschaft nach der Wiedervereinigung nicht durch Flurbereinigung behoben wurde, umfasste die heutige Fläche des Windparks über 300 Grundstücke. Heinrich Bartelt, der seit über 20 Jahren in der Windenergieszene aktiv ist (siehe Kastentext), konnte die ortsansässige Bevölkerung vom Nutzen des Projekts für die Region überzeugen und klärte schrittweise die Nutzungsverhältnisse für die benötigten Grundstücke. Wie ihm dieses Kunststück gelang, bleibt sein Geheimnis (siehe Interview). Sein Bruder Josef Bartelt führte die Anlagenplanung für den Windpark durch.

Im März 2003 wurde die Genehmigung für den Bau von 35 WKA vom Typ Enercon E-70 mit einer Leistung von je 2 MW erteilt. Die Erschließung des Geländes für den Park begann daraufhin. Das Unternehmen Enercon bot die Möglichkeit, die benötigten Anlagen in der Region, d. h. in ihrem Magdeburger Werk, zu produzieren. So wurden seit 2004 bisher 28 Anlagen des Typs E-70 errichtet und in Betrieb genommen. Das wohl ambitionierteste Vorhaben in der Geschichte des Windparks stellt die Aufstellung der Enercon E-112 dar, für die im April 2004 die Genehmigung erteilt wurde. Der Prototyp dieser Anlage dreht seit August 2002 im ebenfalls sachsen-anhaltinischen Egeln. Weitere Maschinen erzeugen in Emden und in Cuxhaven Strom. Bisher sind sechs Exemplare mit 4,5 MW Leistung sowie zwei Anlagen mit 6 MW Leistung in Betrieb. Auf dem Druiberg steht die dritte E-112 mit 6 MW Leistung. Sie ist somit das erste im Binnenland aufgebaute Exemplar der leistungsstärksten Serienwindkraftanlage. Denn mit einer Nabenhöhe von123 m kann die Anlage an einem windbegünstigten Standort diese für das Binnenland außergewöhnliche Leistung erreichen. Mit 62 MW installierter Leistung produziert der gesamte Windpark bei idealen Windverhältnissen nun jährlich etwa 115 GWh Strom. In windschwächeren Jahren liegen die Erträge bis zu 15 % darunter.