Ausschreibungen, Optimierung und Weiterbetrieb dominierten die „Spreewindtage“

Mehr als 2.000 Teilnehmer reisten zu den Windenergietagen in Warnemünde an (Foto: Buddensiek)
Mehr als 2.000 Teilnehmer reisten zu den Windenergietagen in Warnemünde an (Foto: Volker Buddensiek)
15.11.2017

Bei mehr als 2.000 Teilnehmern kann man eigentlich ein breites Spektrum an Interessen voraussetzen – trotzdem konzentrierte sich Vieles während der Windenergietage in Warnemünde auf die Themen Weiterbetrieb nach 20 Jahren, Erfahrungen und Konsequenzen aus den Ausschreibungsverfahren sowie Optimierung der Anlagenleistung. Im Forum 7, das der DNV GL organisiert hatte, kamen diese Themen zusammen.

Tatsächlich sind die drei Themenblöcke auch kaum zu trennen: Das Ausschreibungsverfahren erhöht den Druck auf Projektierer, die Leistung der geplanten Anlagen maximal auszureizen. Die gleichen Technologien können aber auch in Bestandsanlagen die Wirtschaftlichkeit erhöhen und im Idealfall eine bessere Ausgangsbasis für einen Weiterbetrieb der Anlagen nach Beendigung der EEG-Förderung bilden. Die Stellschrauben sind dabei vielfältig. So zeigte Axel Sachse vom DNV GL in seinem Vortrag auf, dass Maßnahmen zur akustischen Optimierung das Rotorblatt leiser machen und damit Einschränkungen im Nachtbetrieb reduziert werden können. Weniger oder keine Einschränkungen bedeuten aber bis zu 10 % mehr Ertrag.

An der korrekten Bestimmung des Blatteinstellwinkels setzte der Vortrag von Robert Lieckfeldt von der Firma Wind-Consult an. Bei Messungen im Feld sind über laseroptische Vermessungen Genauigkeiten von 0,2 Grad zu erreichen – mit positiven Auswirkungen auf Ertrag und Lebensdauer der Komponenten.

Einen anderen gedanklichen Ansatz verfolgte Matthias Brand (Deutsche Windtechnik), der Prozesse und Strukturen in den Mittelpunkt seines Vortrags stellte und verdeutlichte, welche Potenziale Betreiber über eine Optimierung des Schnittstellenmanagements und eine konsequente Einführung digitaler Datenhaltung heben können.

Im Folgeblock diskutierten Lars Rotzsche (Stadtwerke Kassel), Lothar Schulze (windwärts), Corinna Tiesch (Bremer Landesbank) und Florian Valentin (Kanzlei von Bredow Valentin Herz) über die Ergebnisse der ersten beiden Ausschreibungen für Windenergie an Land. Nicht überraschend war niemand mit den Ergebnissen der beiden Ausschreibungsrunden zufrieden. Die Hoffnungen und Sorgen richten sich jetzt gleichermaßen auf die nächsten Ausschreibungsrunden sowie mögliche Modifikationen des Ausschreibungsdesigns nach der Regierungsbildung in Berlin.

Als Kontrapunkt dazu ging es im Folgeblock um sehr technische Themen – nämlich die Konsequenzen aus der neuen NELEV, der Verordnung zum Nachweis von elektrotechnischen Eigenschaften von Energieanlagen, sowie die Vermessung eines EZA-Reglers am Teststand zur Komponentenzertifizierung und die Over-Voltage-Ride-Through- (OVRT-) Tests an WEA, die gemäß FGW TR3 seit 2016 auch im Freifeld möglich sind.

Nur noch Stehplätze gab es schließlich für Nachzügler im Block zum Thema Weiterbetrieb nach 20 Jahren. Das Thema ist in der Windbranche angekommen – und der Diskussionsbedarf so groß, dass sich die Veranstaltung weit über das geplante Ende hinauszog. Allerdings wurde das Thema auch von unterschiedlichen Seiten beleuchtet – so von Dr. Mahand Vogt von der Kanzlei Blanke Meier Evers, die mit einigen Irrtümern zu den rechtlichen Anforderungen an den Weiterbetrieb nach 20 Jahren aufräumte, von Lars Klett, der von Erfahrungen aus der Anwendung des DNV GL-Standards für Weiterbetrieb berichtete, von Dominik Schönhoff, der die im Auftrag von Naturstrom erstellte Studie zum Weiterbetrieb nach 20 Jahren vorstellte und dabei insbesondere auch auf die wirtschaftliche Perspektive einging – und schließlich von Lea Kirsch (Nordex Energy GmbH), die die Thematik aus der Sicht und mit den Upgrade-Angeboten eines Herstellers von Windenergieanlagen vorstellte.

So zeigte sich wie unter einem Vergrößerungsglas allein anhand eines Forums die gesamte Bandbreite der Themen, die gegenwärtig die Unternehmen der Windenergie umtreiben. Fazit: Es bleibt spannend, denn die Branche befindet sich – wie es der Titel der Windenergietage ausdrückt – in einer Zwischenzeit, in der sich die neuen Strukturen noch entwickeln müssen.

Volker Buddensiek