Urteil gegen Energiekontor

Der Kläger hatte sich im Jahr 1995 mit 50.000 DM an dem von Energiekontor entwickelten Windpark Nordleda beteiligt. Zum Zeitpunkt seines Beitritts befand sich der Windpark noch in der Planungsphase und sollte nach Angaben im Beteiligungsprospekt aus insgesamt zehn Windenergieanlagen bestehen. Darauf beruhte auch die im Prospekt dargestellte Ertragsprognose. »Später musste der Kläger – ebenso wie alle anderen Anleger – feststellen, dass die Anlagen des eigenen Windparks von 33 weiteren Anlagen umgeben waren und der insgesamt von Energiekontor geplante Windpark damit aus 43 Anlagen bestand«, erklärte die Hamburger Rechtsanwaltskanzlei Klemm & Partner. »Aufgrund der erheblich höheren Abschattung der Anlagen untereinander wurde der prospektierte Energieertrag deutlich unterschritten. Hinzu kam, dass wegen der zu großen Lärmentwicklung des Windparks mit Rücksicht auf die angrenzende Wohnbebauung einzelne Anlagen nachts nur gedrosselt betrieben werden dürfen. Bis zum heutigen Tage bleibt der Windpark erheblich hinter den Erwartungen zurück.«

Die Schadensersatzklage war nun in erster Instanz erfolgreich. Das Landgericht stellte nach durchgeführter Beweisaufnahme fest, dass Energiekontor »in zurechenbarer Weise unzulänglich über die Risiken der Beteiligung aufgeklärt hat«. In einem zweiten Verfahren vor dem Landgericht Bremen machen insgesamt 80 Kläger ebenfalls Schadensersatzansprüche geltend.

Die Energiekontor Windkraft GmbH legte gegen das Urteil Berufung ein und erklärte am 9. Januar: »Bereits im Jahr 2002 hat Energiekontor allen Kommanditisten des Parks ein Rückgabeangebot zu 100% unterbreitet, das von den Kommanditisten aber abgelehnt wurde. Grundsätzlich ist der Windpark Nordleda wirtschaftlich, er produziert aber auf Grund des unterdurchschnittlichen Windangebots in Deutschland unterhalb der Prognosen.«

Der Rechtsstreit entzündete sich vor fünf Jahren, als Energiekontor mit den Kommanditgesellschaften von drei Windparks über einen Rückkauf der Anteile verhandelte. Im Falle der Windparks Debstedt und Sievern kam es zur Einigung und Energiekontor kaufte die Beteiligungen zurück (SW&W 4/2002). Nur über den Windpark Nordleda konnte in all den Jahren keine Einigung erzielt werden, sodass es zum Prozess kam.