Vergebliche Investorensuche: Carbon Rotec stellt Geschäftstätigkeit ein

20.12.2017

Der Geschäftsbetrieb der Carbon Rotec GmbH & Co. KG aus Lemwerder, Hersteller von Rotorblättern für Windkraftanlagen der Multimegawattklasse, wird eingestellt. Auch in einem vom vorläufigen Insolvenzverwalter eingeleiteten Investorenprozess fand sich kein Investor, der das Unternehmen oder Teile des Unternehmens übernehmen wollte.

Die Geschäftsführung von Carbon Rotec hatte Mitte Oktober 2017 einen Insolvenzantrag gestellt, nachdem der einzige Großkunde seine Lieferverträge nicht verlängerte. Dieser Verlust konnte durch andere Aufträge nicht aufgefangen werden. Christopher Seagon, vorläufiger Insolvenzverwalter von Carbon Rotec, führte nach intensiven Verhandlungen den Geschäftsbetrieb weiter, sodass vorhandene Aufträge in gewohnter Qualität abgearbeitet werden konnten. Er gewann dadurch Zeit, um mögliche Sanierungsoptionen zu prüfen.

„Uns war schnell nach Insolvenzantragstellung Mitte Oktober klar, dass es ohne einen Investor nicht weiter gehen kann“, sagt Christopher Seagon, vorläufiger Insolvenzverwalter von Carbon Rotec. Er setzte deshalb zeitnah einen umfangreichen Investorenprozess in Gang. Hierfür wurden mehr als 300 mögliche Interessenten aus dem In- und Ausland identifiziert und angesprochen.

Da das Unternehmen weder größere Kunden noch größere Aufträge mehr hatte, fand sich kein ernsthaft interessierter Investor. „Der gesamten Windkraftbranche geht es nicht gut. Kein möglicher Erwerber sah sich in der Lage, Carbon Rotec mit neuen Aufträgen zu versorgen und weiter zu führen“, sagt Seagon.

Angesichts dieser Lage kann der Geschäftsbetrieb nicht aufrechterhalten bleiben, was sich unmittelbar auf die Beschäftigungslage auswirkt. So erhalten die 420 Beschäftigten mit Verfahrenseröffnung zum 1. Januar die Freistellung. Nach Verhandlungen über einen Interessensausgleich und Sozialplan mit dem Betriebsrat müssen dann die Kündigungen ausgesprochen werden. Das soll so sozialverträglich wie möglich erfolgen. „Wir haben es so organisiert, dass Vertreter der Agentur für Arbeit bereits jetzt für alle Beschäftigten vor Ort ansprechbar sind und ihnen weiterhelfen“, sagt Seagon. Für ihn geht es in den kommenden Monaten nun darum, vorhandene Werte des insolventen Unternehmens bestmöglich zu veräußern, um den Schaden für alle Gläubiger möglichst gering zu halten.

Carbon Rotec war einer der führenden built-to-print-Hersteller von Rotorblättern für Windkraftanlagen der Multimegawattklasse, der ausschließlich nach den Designvorlagen der Kunden (Build-to-print) produzierte. Hervorgegangen ist das Unternehmen aus einer 1993 gegründeten Tochtergesellschaft der Jachtwerft Abeking & Rasmussen. Nach der zwischenzeitlichen Übernahme durch einen chinesischen Investor erwarb 2016 William Tang das Unternehmen im Zuge eines Management-Buy-out mit Unterstützung des Landes Niedersachsen. Auf Grund der optimalen Lage der Produktionsstätten der Carbon Rotec und der langjährigen Erfahrung im Rotorblattbau hatte sich das Unternehmen vorzugsweise auf den Bau sehr großer Rotorblätter für die Offshore-Anwendung spezialisiert.

Buddensiek / rw konzept GmbH