Energiegipfel: WWF plädiert für zweigeteilten Kapazitätsmarkt

Regine Günther vom WWF verteidigt einen übergangsweisen Weiterbetrieb fossiler
Regine Günther vom WWF verteidigt einen übergangsweisen Weiterbetrieb fossiler
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Der World Wildlife Fund (WWF) hat zum Energiegipfel am 2. November im Kanzleramt der Bundesnetzagentur den Rücken gestärkt: Diese will Kraftwerksabschaltungen für den kommenden Winter verhindern, indem sie die Übertragungsnetzbetreiber dazu auffordert, sich Reservekapazitäten in Deutschland und Österreich zu sichern. Falls sich dabei ein Missbrauch der Marktmacht von Anbietern und marktunübliche Preise abzeichnen, will die Agentur in Einzelfällen die Kraftwerksbetreiber zur Bereitstellung von Reservekapazitäten zwingen. 

Mittelfristig fordert der WWF die Einführung von „fokussierten Kapazitätsmärkten“. Da soll eine Alternative zur Vorhaltung strategischer Reserven und zu umfassenden Kapazitätsmärkten sein. Auch der WWF will dass  Kraftwerksbetreiber künftig Entgelte für die Bereithaltung von Generatoren erhalten. Anderes aber als bei einem umfassenden Kapazitätsmarkt, teilt sich der Markt in „Bestandskraftwerke“ und „Neubaukraftwerke“. In der „Bestands“-Kategorie konkurrieren Kraftwerke, die von Stilllegung bedroht sind: Ihnen winkt das Überleben auf der Basis von Kapazitätszahlungen über ein bis vier Jahre. In diesem Zeitraum müssten sie  bei Engpässen in der Stromversorgung einspringen. Im Bereich „Neukraftwerke“ sollen Erzeuger, „die hohen Flexibilitäts- und Umweltanforderungen genügen“, untereinander und mit Speichern konkurrieren, wobei es um Kapazitätszahlungen über 15 Jahre geht. „Die strikt wettbewerbliche Ausgestaltung der Vergabe erzeugt hohen Wettbewerbsdruck und sichert niedrige Preise“, argumentiert der Umweltschutzverband.

Die Studie ist von vielen Medien einseitig als Aufforderung interpretiert worden, neue fossile Kraftwerke zu bauen und alte am Netz zu halten, um die unstete Produktion aus erneuerbaren Quellen abzusichern. Man habe mit der Studie rechtzeitig auf Probleme aufmerksam machen wollen, die beim Übergang von einer „konventionellen Energiewirtschaft“ – Nuklear, Gas, Kohle – zu erneuerbaren Energien entstehen könnten, betont dagegen Regine Günther, Leiterin Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF. Fossile Kraftwerke – Gas, Kohle – müssen Günther zufolge in einer Übergangszeit die Residuallast (das ist jene Energie, die noch nicht von Erneuerbaren oder Speichern zur Verfügung gestellt werden können) liefern, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. „Wenn, wie in unserer Studie analysiert, die Geschäftsgrundlage zumindest für einen größeren Teil der fossilen Kraftwerke auf der Basis des existierenden Marktdesigns nicht mehr gegeben ist, dann besteht für Betreiber von jenen fossilen Kraftwerken – dazu gehören auch nagelneue Gaskraftwerke, bei denen es ja Konsens ist, dass wir sie übergangsweise für die Energiewende brauchen – ein Anreiz, diese Kraftwerke stillzulegen.“ Unter den momentanen Marktbedingungen, das räumt Günther ein, scheinen sich keine Neuinvestitionen mehr zu lohnen.

Mit dem Konzept der „fokussierten Kapazitätsmärkte“, so der WWF, habe man einen Lösungsvorschlag gefunden, der die Erreichung der Klimaziele ermöglicht und gleichzeitig die soziale Dimension nicht vergisst. Ohne solche Anpassungen werde eine Diskussion über eine weitere Verlängerung der AKW-Laufzeiten wieder auf die Tagesordnung kommen, befürchtet der Verband. Maßnahmen auf der Nachfrageseite, ein Lastmanagement, sowie den Ausbau von Speicherkapazitäten seien in dem Modell berücksichtigt. „Es ist mir vollkommen klar, dass die vorgenommene Positionierung für einen Umweltverband auf den ersten Blick ungewöhnlich wirken mag“, reagierte Günther auf Kritik an der Intention, unter Voraussetzungen den Betrieb alter Kohlekraftwerke als Kapazitätsreserve zuzulassen. „Wenn wir vom Ziel her denken, nämlich dass die Energiewende gelingen soll, ist die Argumentation meiner Ansicht nach aber zwingend.“

(vu)

WWF-Studie Fokussierte Kapazitätsmärkte

BNetzAG: Zustandsbericht Winter 2011/2012