Größte Power-to-Gas-Anlage nimmt Betrieb auf

Das ZSW wandelt nun im industriellen Maßstab Strom in Erdgas um. (Foto: Zentrum
Das ZSW wandelt nun im industriellen Maßstab Strom in Erdgas um. (Foto: Zentrum

Mit einer Leistung von 250 kW ist am 30. Oktober die größte Power-to-Gas-Anlage der Welt in Betrieb gegangen. Sie kann bis zu 300 Kubikmeter Methangas pro Tag produzieren.  

Die Forschungsanlage des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden Württemberg (ZSW) hat damit eine 10-fach höhere Leitung als die erste Pilotanlage, die es vor drei Jahren in Betrieb genommen hat. Neben der Größe hat die Anlage jedoch noch einige andere Neuheiten zu bieten. „Unsere Forschungsanlage arbeitet dynamisch und intermittierend. Im Gegensatz zur ersten Anlage kann sie flexibel auf das rasch wechselnde Stromangebot aus Wind und Sonne und auf plötzliche Unterbrechungen reagieren“, erklärt Dr. Michael Specht, Leiter des ZSW-Fachgebiets regenerative Energieträger und Verfahren.

Mit der Anlage wollen die Forscher des ZSW und deren Partner vom Fraunhofer IWES und der Firma SolarFuel die Technologie weiter in Richtung Großanlagen zwischen 1 und 20 MW optimieren. Gegenüber der alten Anlage nutzt die neue Anlage am ZSW auch schon Steuerungs- und Regeltechnik von industriellen Großanlagen.

Eine erste Megawattanlage soll denn auch schon im Frühjahr 2013 in Betrieb gehen. SolarFuel baut in zusammenarbeit mit der MT-Biomethan GmbH für den Automobilproduzenten Audi eine 6-MW-Anlage, in die Erfahrungen aus des ZSW-Projekts einfließen sollen. Dass die Automobilindustrie an der Technik interessiert ist, kommt nicht von ungefähr, ließe sich auf diesem weg doch Treibstoff für Verbrennungsmotoren aus erneuerbaren Strom gewinnen.

Power-to-Gas Anlagen stellen über das Elektrolyseverfahren mithilfe von Strom Wasserstoff her, der in einem zweiten Schritt noch mit Kohlendioxid zu Methan, dem Hauptbestandteil von Erdgas, umgewandelt werden kann.

Gerade ist auch im münsterländischen Ibbenbüren der Startschuss für eine Power-to-Gas-Versuchsanlage gefallen. Hier kooperieren der Energiekonzern RWE und das französische Unternehmen Ceram Hyd. Die 100-kW-Anlage spart sich jedoch den letzten Umsetzungsprozess und speist Wasserstoff, statt Methan in das Erdgasnetz ein. Der gesparte Prozessschritt spart Kosten, allerdings kann das Erdgasnetz auch nur einen maximalen Anteil von 2 % Wasserstoff aufnehmen. Die Ibbenbürener Anlage soll nächstes Jahr den Betrieb aufnehmen.

Einen Ausführlichen Artikel zur Power-to-Gas-Anlage am ZSW erscheint in Ausgabe 17/2012 der Sonne Wind & Wärme am 27. November.

Jan Gesthuizen

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