Nachhaltig wohnen in der Scheune

Idyllisch wohnen auf dem Land: Diese ehemalige Scheune mit Stall in Willich hat Familie Brauckmann zum Wohnhaus umgebaut. (Foto: Stiebel Eltron)
Foto: Stiebel Eltron
23.07.2014

Eine Familie am Niederrhein hat sich ihren Traum erfüllt und aus einer alten Scheune eine modern ausgestattete Wohnung gemacht. Bei der Energieversorgung setzten sie nachhaltig auf Solarthermie, Photovoltaik und Wärmepumpe.

„Die Idee, eine ältere Immobilie zu kaufen und dann entsprechend zu sanieren, hatten wir schon einige Jahre. Aber wir mussten lange suchen, ehe wir das richtige Objekt gefunden hatten.“ Jedem Gast, der die Familie Brauckmann in Willich am Niederrhein in ihrem „neuen alten" Zuhause besucht, ist sofort klar: die Suche hat sich gelohnt. Im hinteren Bereich eines für diese Landschaft typischen großen Bauernhofs stand das Objekt der Begierde – und zwar leer. Auf den ersten Blick war es nicht mehr als eine große Scheune, die im Erdgeschoss ursprünglich teilweise als Kuh-, teilweise als Schweinestall genutzt wurde. Doch Familie Brauckmann sah mehr: „Uns war sofort klar, dass in diesem mehr als 120 Jahre alten Gebäude unser neues Heim entstehen würde.“ Als ideal erwies sich auch die Lage: mit an den Garten angrenzendem Landschaftsschutzgebiet, dem Kindergarten und einer Grundschule nur wenige hundert Meter entfernt.

Nachhaltig + schön = komplexer Umbau

Einfach gestaltete sich die Umplanung und Sanierung allerdings nicht, wie Arndt Brauckmann erzählt: „2009 haben wir das Objekt gekauft. Ende 2009 zogen wir den Architekten Daniel Jungermann hinzu, vertraut mit der Restaurierung älterer Bestandsobjekte, sowie den Installateur- und Heizungsbetrieb Jeremiasch, der aufgeschlossen ist gegenüber neuen und schlüssigen Haustechnikkonzepten.“ Im Mai 2010 begannen die Baumaßnahmen, der Einzug erfolgte Mitte 2011. Der recht lange Zeitraum zwischen ersten Planungen und Fertigstellung des knapp 300 m² großen, zweieinhalbgeschossigen Gebäudes lag auch daran, dass  Familie Brauckmann großen Wert auf eine hochwertige Ausführung bis in die Details hinein gelegt hat – und viele Dinge neu erarbeitet werden mussten. So gab es verständlicherweise keine Unterlagen zur Statik des Gebäudes. „Hinzu kam, dass wir viele Dinge erhalten wollten – etwa die Deckenkonstruktionen: Holzbalken in dem einen, eine wunderschöne preußische Kappendecke in dem anderen Teil.“, so Arndt Brauckmann.

Arndt Brauckmann ist bei einem großen Energieversorger im Bereich Erneuerbare Energien tätig. Logisch, dass er bei der Haustechnik keine Kompromisse eingegangen ist: „Die Wärmepumpe als Heizsystem war gesetzt. Außerdem ist die Stadt Willich sehr aktiv in Sachen Geothermie – bedingt durch ihre gute geographische Lage im alten Rhein-Graben-System.“ Alle Geräte der Haustechnik stammen von Stiebel Eltron.

Heizen mithilfe von Sonne, Erde und Wasser

Zwei Sonden mit je 80 m Tiefe hat das Bohrunternehmen Geowell erstellt, die die Sole/Wasser-Wärmepumpe WPF 10 E mit Umweltenergie aus dem Erdreich versorgen. Die Wärmepumpe selbst steht in der im Gebäude integrierten Garage. Die auf dem Dach installierte Solarthermie-Anlage fängt zusätzliche Sonnenenergie für die Unterstützung der Heizungs- und Warmwasserbereitung ein. Der Pufferspeicher SBS 1001 W SOL wurde innerhalb der gedämmten Hülle aufgestellt – auf dem „Spitzboden“. Auch dies war statisch eine Herausforderung, denn der Speicher ist ein echtes Schwergewicht. Darin werden nicht nur 1.000 L Heizungswasser vorgehalten, sondern hier wird auch das Trinkwarmwasser im Durchflussprinzip erwärmt. Dabei sammelt der Speicher Energie aus verschiedenen Quellen: Neben der Wärmepumpe und der Solarthermie-Anlage ist auch der wasserführende Kamin angeschlossen und trägt seinen Teil zur Wärmeerzeugung bei.

Gleichsam im Spitzboden wurde das Lüftungsgerät LWZ 270 von Stiebel Eltron installiert, das für die Be- und Entlüftung sorgt – und dabei einen Großteil der in der Abluft enthaltenen Wärmeenergie zurückgewinnt. Daher muss die im gesamten Gebäude verlegte und speziell für die Altbaurenovierung entwickelte Fußbodenheizung nur wenig zusätzliche Energie in die Räume einbringen – so dass eine Vorlauftemperatur von 28 °C ausreicht.

„Die kontrollierte Wohnungslüftung ist aus zwei Gründen wichtig“, so der Bauherr, „zum einen für die Energieeffizienz, zum anderen für die Luftqualität. Letztere lässt sich unmittelbar wahrnehmen als frische, saubere Luft. Ihre Qualität zeigt sich aber auch darin, dass wir keine Schwierigkeiten mit Feuchtebefall an den Wänden haben – ein Problem, das bei einer Innendämmung, die hier verwirklicht wurde, sonst leicht auftreten kann.“

Letztlich wurde auch der für Wärmepumpe, Lüftungsgeräte und sonstigen elektrischen Verbrauch benötigte Strom auf Nachhaltigkeit umgestellt. Neben einem Öko-Stromtarif hat sich die Familie dazu entschlossen, selbst als Stromproduzent aufzutreten: Auf dem Dach wurde eine PV-Anlage mit einer Leistung von 4 kW installiert. PV-Strom und Wärmepumpe sind damit quasi natürliche Partner: Die über Mittag erzeugte Solarstrom wird mithilfe der Wärmepumpe in Form von Wärme im Heizungswassertank für den Tagesbedarf vorgehalten. Dass sich die PV-Anlage und die Solarthermie-Anlage perfekt in die Dachoptik einfügen, war der Familie sehr wichtig: „Indachinstallation sowie monokristaline und anthrazitfarbene Ausführung waren die Schlüsselbegriffe – Ästhetik und Funktionalität müssen eben gar kein Widerspruch sein“, so Nicole Brauckmann.

Dipl.-Ing. Henning Schulz, Stiebel Eltron